 Berlin - Spiegel - 21.07.05 - Die Kritik von
Innenminister Schily an der Wahl des neuen Präsidenten Ahmadinedschad
in einem SPIEGEL-Gespräch schlägt hohe Wellen. Irans Außenministerium
rügte das angeblich mangelnde Demokratieverständnis Schilys. Dessen
Behörde wies den iranischen Protest als Unverschämtheit zurück. Das
Bundesinnenministerium griff zu ungewöhnlich scharfen Worten. Es sei
eine "unglaubliche Unverschämtheit", wenn der Sprecher des iranischen
Außenministeriums meine, "Herrn Schily anhalten zu müssen, er solle die
demokratischen Grundsätze respektieren", sagte Otto Schilys Sprecher
Rainer Lingenthal in Berlin.
"Eine solche Stimme aus einem Land, in dem die Menschenrechte
ständig verletzt werden, in dem Frauen nach dubiosen Urteilen
ausgepeitscht werden, in dem Regimekritiker ohne Möglichkeit auf
juristischen Beistand und auf gerichtlich sachgerechte Überprüfung
monatelang in Einzelhaft genommen werden, ist an Unverfrorenheit kaum
noch zu überbieten", sagte Lingenthal.
Das iranische
Außenministerium hatte folgende Aussage Schilys in einem
SPIEGEL-Gespräch kritisiert: "Wenn wir jetzt hören, dass Iran und der
Irak enger kooperieren wollen und in Teheran gleichzeitig ein
Fundamentalist an die Macht kommt, bei dem nicht sicher ist, dass er
absolute Distanz zum Terrorismus hält, sind das alles sehr
besorgniserregende Perspektiven."
Der Teheraner
Außenamtssprecher Hamid-Resa Assefi nannte dies laut Tageszeitung
"Dschomhuri Islami" "grundlos und lächerlich" und sprach von einer
Beleidigung des iranischen Volkes, das am 24. Juni mit absoluter
Mehrheit für den neuen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gestimmt habe.
Er "empfahl" Schily, "sich durchdachter zu äußern, vom Einfluss
zionistischer Kreise loszureißen und die demokratischen Grundsätze zu
respektieren". Assefi kündigte an, Teheran werde eine Erklärung der
Regierung in Berlin dazu fordern.
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