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Rafsanjani und seine Killer |
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Samstag, 25 Juni 2005 |
Das Mordnetzwerk hat mich fast getötet
Von Hossein Abedini
The Washington Times, 16. Juni - Es war vor 15 Jahren, kommt mir aber
vor, als sei es gestern gewesen. Mitten am Nachmittag des 14. März 1990
saß ich neben dem Fahrer, der mich zum Istanbuler Flughafen bringen
sollte, als wir wegen eines Verkehrsunfalls in einen Stau gerieten.
Plötzlich blockierte ein Auto, in dem vier Männer saßen, unseren Weg.
Ein weiteres Auto keilte uns von hinten ein. Sekunden später
kamen zwei Männer mit automatischen Waffen aus dem Wagen vor uns und
dem hinter uns herausgestürmt.
Als sie näher kamen, öffnete ich die Wagentüre und sprang, nur einen
kleinen Aktenkoffer in der Hand, auf sie zu. Einer der Männer schoss
neunmal auf mich, die Waffe des anderen blockierte. Ich wurde in Brust
und Magen getroffen und schwer verwundet. Die Angreifer flohen.
Glücklicherweise befanden wir uns in der Nähe des Internationalen
Krankenhauses von Istanbul, wo ich eiligst hingebracht wurde. 40 Tage
lang lag ich in tiefem Koma, und drei Monate lang war ich
Bewusstlos. Mit 80 Prozent meiner Leber weg überlebte ich nur gerade
und wurde von meinen Ärzten mehr als einmal abgeschrieben. Eine Kugel
traf mich ganz nahe am Herzen. Ich wurde 14 mal operiert und erhielt
154 Pints Blut.
Ich bin ein Mitglied des Nationalen Widerstandsrates Irans, dem Bündnis
der iranischen Oppositionsbewegungen. Die Angreifer hatten im Auftrag
des klerikalen Regimes, des größten staatlichen Förderers des
Terrorismus, gehandelt.
Wie später rauskam, waren die Angreifer ironischerweise gar nicht
hinter mir her gewesen, sondern wie der Staatliche Rundfunk Irans
später bestätigte war Mohammad Mohaddessin, der Vorsitzende des
Außenpolitischen Ausschusses des NWRIs, das wirkliche Ziel gewesen.
Trotzdem hörten damit die Versuche, mich umzubringen, noch nicht auf;
zwei Versuche, mich zu erledigen, fanden im Krankenhaus statt. Einmal
kamen Mörder als türkische Polizisten verkleidet zum Krankenhaus; zum
Glück kam die türkische Polizei selbst zur gleichen Zeit dorthin und
verhinderte die Tat. Ein anderes mal kamen zwei Männer, die
behaupteten, Freunde zu sein, in mein Zimmer. Wieder hatte ich Glück;
mehrere wirkliche Freunde kamen zur gleichen Zeit, um mich zu besuchen,
und die Mörder flohen.
Ich bin einer der wenigen, die die Mordversuche der Mullahs überlebt haben.
Meine Geschichte ist jetzt deshalb wichtig, weil all das stattfand als
Ali Akbar Hashemi Rafsanjani der Präsident des klerikalen Regimes war.
Jetzt, wo neue Präsidentschaftswahlen anstehen, wird er als der
aussichtsreichste Kandidat gehandelt, und einige im Westen hoffen, mit
ihm groß ins Geschäft zu kommen.
Es ist wichtig zu wissen, dass es ein deutliches Muster der Morde während seiner vorigen Amtszeit gab.
Professor Kazem Rajavi, Irans berühmtester Menschenrechtsaktivist,
wurde 1990 am Helligen Tag von Killern der Mullahs niedergeschossen als
er in der Nähe seines Hauses in Genf im Auto fuhr. Die Schweiz machte
13 iranische Beamte, in deren Pässe „Sonderauftrag“ gestempelt war,
verantwortlich. Von Rajavis Familie veröffentlichte Dokumente machten
deutlich, dass ein schweizer Gericht 1997 „ganz klar“ genügend Beweise
hatte, um einen internationalen Haftbefehl gegen den damaligen
Geheimdienstminister des Irans, Al Fallahian, zu rechtfertigen.
Der Mord an Rajavi war während der Präsidentschaft Rafsanjanis kein
einmaliger Zwischenfall. Mehrere iranischen kurdische Führer wurden
1989 in Wien und 1992 in Berlin ermordet. Die Liste wird fortgesetzt.
1997 kam ein Gericht in Berlin zu dem Ergebnis, dass ein geheimer
Ausschuss bestehend aus dem Oberster Führer, Ali Khamenei, Rafsanjani,
dem damaligen Außenminister Ali-Akbar Velayati, und Fallahian die Morde
von 1992 angeordnet hatte.
Die Ziele des Terrors der Mullahs waren nicht nur Iraner. Das FBI hat
unwiderlegbare Beweise dafür gesammelt, dass Teheran auch den
Bombenanschlag auf die Khobar-Türme in Saudi Arabien im Jahr 1995
geplant hatte, durch die 19 amerikanische Soldaten den Tod fanden. Und
die üblen Aktivitäten Rafsanjanis beschränken sich auch nicht auf
Terrorismus; er ist ein eifriger Verfechter von Irans Bemühungen, in
den Besitz von Nuklearwaffen zu kommen.
Zwei Jahrzehnte lang ist Europas Appeasement-Politik gescheitert. Die
Idee, aus dem Inneren des Regimes einen Gemäßigten herauszufischen,
wurde in verschiedener Verpackung für unterschiedliche Gelegenheiten
angeboten, alles ohne Erfolg.
Ein größerer Schnitzer, den der Westen begangen hat, war der, den
Mullahs entgegenzukommen, indem man die Volksmojahedin, die
wichtigste iranische Oppositionskraft, von der 120.000 Mitglieder und
Sympathisanten bislang hingerichtet worden sind, als Terroristen
bezeichnete. Die Mojahedin haben auch eine hervorragende Rolle dabei
gespielt, das Nuklearprogramm und des terroristische Netzwerk der
Mullahs zu entlarven.
Die Entscheidung, sie auf die Terror-Liste zu setzen, die von bekannten
Juristen als unbegründet und bar jeglicher rechtlichen Basis verurteilt
worden ist, hat nur die extremsten Fraktionen des Regimes bei
ihrer Unterdrückung, der Förderung des Terrorismus und dem Bemühen,
sich Atomwaffen zuzulegen, ermutigt.
Alles deutet darauf hin, dass das iranische Volk bezüglich des
klerikalen Regimes völlig desillusioniert ist und einen grundlegenden
Wandel in Richtung Demokratie wünscht. Es wäre naiv und kurzsichtig,
irgendwelche Hoffnungen mit einer verbrauchten Kraft wie Rafsanjani zu
verbinden. Der Westen muss sich mit dem Ruf des iranischen Volks nach
Freiheit verbinden. Ein erster Schritt bestünde darin, die Mojahedin
von der Terroristenliste zu streichen, auf der sie nie hätten stehen
dürfen. Der Westen sollte unmissverständlich erklären, dass er diesen
Schwindel nicht als eine Wahl anerkennt.
Hossein Abedini ist Mitglied des Nationalen Widerstandsrates Irans |
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