Sa10252014

Last updateFr, 24 Okt 2014 6am

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Iraks Schiiten verurteilen Einmischung des Iran

300 000 Unterschriften gegen Einfluss Teherans - Angst vor Islamisierung - UN-Untersuchung gefordert

Die Welt - Bagdad - Im Süden des Irak scheint sich eine beispiellose Bewegung gegen den iranischen Einfluss auf die Schiitenregionen zu bilden. Wie die "Washington Post" und die Nachrichtenagentur Reuters übereinstimmend berichten, haben schiitische Scheichs 300 000 Unterschriften für eine Petition gesammelt, die sich scharf gegen die Einmischung ihrer schiitischen Glaubensbrüder aus dem Iran wendet.

Darin heißt es: "Der schmerzhafteste Stich in den Rücken der Schiiten im Irak durch das iranische Regime bestand im beschämenden Missbrauch der schiitischen Religion, um seine unheilvollen Ziele zu erreichen." Und weiter: "Sie haben es auf unsere nationalen Interessen abgesehen und haben zu planen begonnen, den Irak zu teilen und die südlichen Provinzen abzuspalten."

Die Iraker, die sich im Süden gegen den Einfluss des Iran wenden, befinden sich in einer heiklen Lage. Einerseits können sie offenbar auf große Unterstützung bei der Bevölkerung und den traditionellen Eliten setzen, so sollen auch 600 Scheichs die Petition unterschrieben haben. Andererseits müssen sie um ihr Leben fürchten, weil die im Süden um die Macht kämpfenden schiitischen Fraktionen - die Mahdi-Miliz von Muktada al-Sadr und der Oberste Islamisch-Irakische Rat (SIIC) - jeweils enge Beziehungen zu Teheran pflegen.

Die Scheichs aus der Provinz Diwanija, die sich nun an westliche Korrespondenten gewandt haben, wollen deshalb anonym bleiben. Sie fordern jedoch, dass eine UN-Kommission die iranische Rolle im Irak untersucht.

Die US-Regierung wirft dem Iran seit Jahren vor, die Gewalt im Irak zu schüren und Extremisten mit Waffen zu beliefern. Allerdings war aus Washington in den letzten Wochen auch zu hören, dass der Iran seinem Versprechen, den Waffenschmuggel einzudämmen, offenbar nachkomme. Sean McCormack, Sprecher des Außenministeriums, hatte deshalb am Dienstag angekündigt, dass die USA einer vierten Gesprächsrunde mit den Iranern über die Situation im Irak zugestimmt hätten.

Der Protest der Schiiten richtet sich auch gegen eine Islamisierung des Südens nach iranischem Vorbild. So hatten sich dieselben Scheichs schon vor einem Monat an die Öffentlichkeit gewagt und kritisiert, dass die islamistischen Schiitenparteien strikte islamische Regeln einführen und ihre Milizen eine Atmosphäre der Angst erzeugen.

Im Sommer waren zwei Provinzgouverneure Opfer innerschiitischer Auseinandersetzungen geworden, sie kamen bei Bombenanschlägen um. Auch Mitarbeiter des einflussreichen gemäßigten Großayatollahs Ali al-Sistani wurden ermordet.

Die Iraner sind nicht die einzigen Ausländer, die den Irak destabilisieren. Bei einer Razzia im Norden haben US-Soldaten ein Terrorlager ausgehoben und Dateien von 700 Terroristen gefunden, die in den Irak geschleust wurden. Laut Auswertung waren 41 Prozent dieser sunnitischen Kämpfer Saudis, 18 Prozent kamen aus Libyen, aus ganz Nordafrika waren es 39 Prozent und nur acht Prozent aus Syrien. clw
clw