Tuesday, October 26, 2021
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Amnesty International: drohende Haftverlängerung für Maryam Akabri Monfared

Der gewaltlosen politischen Gefangenen Maryam Akbari Monfared sind drei weitere Jahre Haft und die Verlegung in ein entlegenes Gefängnis angedroht worden. Hierbei handelt es sich um einen Vergeltungsakt für ihren offenen Brief, in dem sie wahrheitsgemäße Berichterstattung und Gerechtigkeit für ihre Geschwister fordert, die 1988 außergerichtlich hingerichtet wurden. Seit 2009 verbüßt sie im Teheraner Evin-Gefängnis eine fünfzehnjährige Haftstrafe.

Am 13. Mai ging Hassan Jafari Hatam, Ehemann von Maryam Akbari Monfared, zu einer Stelle des iranischen Geheimdienstministeriums (in Teheran, nachdem man ihn telefonisch zum Verhör vorgeladen hatte. Gründe für die Vorladung gab man ihm nicht an. Nach Angaben von Hassan Jafari Hatam wurde er von Geheimdienstmitarbeiterinnen beleidigt und man drohte ihm, dass seiner Frau noch drei zusätzliche Jahre Haft bevorstünden und dass man sie in ein weit entferntes Gefängnis in der Provinz Sistan und Belutschistan im äußersten Südosten des Irans bringen würde. Man sagte ihm, dass diese Drohungen in die Tat umgesetzt würden, wenn seine Frau nicht aufhöre, sich in Briefen an die Öffentlichkeit zu wenden.

Maryam Akbari Monfared hatte im Oktober 2016 bei der Staatsanwaltschaft eine formelle Beschwerde eingereicht und danach zahlreiche Briefe geschrieben, in denen sie Informationen über Schicksal und Verbleib vieler Tausender politischer Gefangener fordert, darunter zwei ihrer Geschwister, die im Sommer 1988 außergerichtlich hingerichtet wurden. Sie verlangt eine offizielle Untersuchung des Massakers von 1988, die Herausgabe der Lage der Massengräber, in denen man die Leichen der Gefangenen verscharrt hatte und die Identität der Täter.

Bis heute haben die Behörden ihre Beschwerde nicht bearbeitet. Stattdessen griff man auf verschiedenste Bestrafungstaktiken zurück. So wurden ihr die Arzttermine außerhalb des Gefängnisses zur adäquaten Behandlung ihrer rheumatischen Arthritis und ihrer Schilddrüsenerkrankung verweigert. Infolgedessen leidet sie unter starken Schmerzen in den Beinen. Auch drohte man ihr wiederholt mit der Unterbindung ihrer Familienbesuche. Im November 2016 schrieb Maryam Akbari Monfared in einem aus dem Gefängnis geschmuggelten offenen Brief: “Wie könnt Ihr glauben, dass Ihr jemanden in meiner Position einschüchtern und zum Schweigen bringen könnt? Was glaubt Ihr gibt es überhaupt noch, dass Ihr mir drohen könntet, wegzunehmen? Schämt Ihr Euch nicht, einer Mutter zu drohen, ihr den Besuch ihrer Familie zu untersagen?”

Maryam Akbari Monfared wurde im Dezember 2009 festgenommen und sitzt eine 15-jährige Haftstrafe wegen “Feindschaft zu Gott” (moharebeh) ab. Das gegen sie verhängte Urteil basierte ausschließlich auf der Tatsache, dass sie mit Verwandten telefoniert hatte, die Mitglieder des Volksmudschaheddin, einer verbotenen Oppositionsgruppe (People’s Mojahedin Organization of Iran – PMOI) waren, und sie einmal im Irak besucht hatte. 

 (Quelle: Amnesty International, Iran UA-248/2016-1, Index: MDE 13/6267/2017 , 22. Mai 2017)