Friday, May 27, 2022
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Das Mullah-Regime macht sich COVID-19 zu Nutze, um die unruhige Gesellschaft niederzuzwingen

 

Der iranischen Opposition zufolge sind bei der neuartigen Epidemie des Coronavirus im Iran bisher annähernd 70 000 Menschen ums Leben gekommen. Seit dem Beginn dieser Krise verlegt sich das Regime auf Vertuschung und Tatenlosigkeit, um die Aufmerksamkeit des Volkes von seinen gerechten Forderungen abzulenken und die unruhige Gesellschaft unter Kontrolle zu bringen. Denn die Demonstrationen, die im November 2019 und Januar 2020 das ganze Land überzogen, erschütterten das Regime bis in sein Fundament; die Mullahs wissen, daß der nächste Aufstand zu ihrem Sturz führen wird.

Während Berichte aus dem Iran die Ankunft des COVID-19 bekannt gaben, leugnete das Regime sein Vorhandensein, um für die Feiern zum Gedenken an seine Gründung und die Farce der Parlamentswahl Spielraum zu gewinnen. Als die Enthüllungen, die der iranische Widerstand vornahm, und der Druck, den die internationale Gemein-schaft ausübte, das Regime dazu zwangen, die Existenz des Virus zuzugeben, begann es, seine Bedeutung zu verkleinern. Die Kampagne der Vertuschung und Täuschung führte Präsident Hassan Rouhani an. Er sagte am 23. Mai: „Im Lande versuchen einige, das Volk mit Bezug auf die Krankheit des Coronavirus zu ängstigen. Wir sollten es nicht hinnehmen.“

Am 20. Mai hatte er schamlos behauptet: „In diesen drei Monaten sind wir Schritt für Schritt voran gekommen, ohne daß es zu Rückfällen gekommen wäre. Insgesamt haben wir im Kampf gegen diese gefährliche Krankheit gute Fortschritte gemacht; wir haben es fast geschafft, sie einzudämmen.“

Dabei berichtete am 24. Mai das staatliche Fernsehen: „Die Zahl der täglichen Infektionen hat während der ersten zehn Tage des iranischen Monats Ordibehesht (April und Mai) um 1,32% zugenommen, während der zweiten 10 Tage um 1,4% und in der dritten Dekade um 1,48%.“

Mit anderen Worten: Die Repression, die das Regime seit 40 Jahren ausübt, die Ausfuhr des Terrorismus und die Korruption haben die Gesellschaft des Iran zu einem Pulverfaß gemacht; es ist bereit zu explodieren. Daher benutzten die Mullahs COVID-19 als Hebel der Repression, um ihre unruhige Gesellschaft unter Kontrolle zu bringen, das Volk von dem Verlangen nach dem Wandel des Regimes abzulenken und mögliche Aufstände dadurch zu verhindern, daß es Menschen in die Todeszone des COVID-19 schickte. Doch die unmenschlichen Maßnahmen des Regimes haben den öffentlichen Haß ihm gegenüber nur verstärkt – mithin den explosiven Zustand der Gesellschaft. Dieser Zustand ist so bedrohlich geworden, daß selbst staatliche Medien ihn zugeben und einer den anderen vor der heraufziehenden „Flut der Rache“ warnt. Dazu hat die staatliche Tageszeitung „Mosetaghel“ einen Artikel veröffentlicht. Es folgen Auszüge seiner Übersetzung.


Zu welcher Gelegenheit kann man das Coronavirus benutzen?

Es war um Mitternacht, als wir durch die Nachrichten des Fernsehens von der Erhöhung des Benzinpreises erfuhren. Wir waren alarmiert. Sie (d. h. die Regierung) hatte darüber vorher nichts gesagt; das Ganze kam überraschend.

Menschen aus den ländlichen Gebieten, die unterhalb der Armutsgrenze leben, nahmen ihr Leben in die Hand und gingen auf die Straße. Ihre bittere Armut bedrückte sie, und sie waren enttäuscht von der Unfähigkeit der Regierung, ihren elementarsten Bedürfnissen entgegenzukommen, und von der Art, wie die Erhöhung des Benzinpreises sie ignorierte. Darnach wurde das Internet gesperrt; die Verbindung der Menschen miteinander und mit der Welt wurde zerschnitten. Inoffizielle Quellen veröffentlichten Nachrichten von unvorstellbaren Massakern in verschiedenen Gebieten des Landes; dadurch wurde der Zorn des Volkes gesteigert.

Das Feuer, das zuvor unter der Asche der Geduld des Volkes verborgen worden war, breitete sich aus und ließ [das Regime] die Kontrolle darüber verlieren. Eine erstaunliche Zahl von Todesfällen schürte es um so mehr; und ehrliche Medien waren nicht vorhanden. Nach und nach betraten auch die Gleichgültigen die Szene – eine Sache, die keine Regierung will. Am Ende brachte der Einsatz scharfer Mittel [der Repression] gegen die Demonstrationen – während das Internet gesperrt war – [dem Regime] eine Zeit lang gute Erfolge. Es brachte die Situation unter Kontrolle – auch ohne praktische Antworten auf die Forderungen des Volkes.

Die Angst vor Schüssen und dem Druck warf das Volk, das auf ein besseres Leben hoffte, zurück. Doch die Anführer dieses Spiels wissen: Das, was im November geschah, ist nur ein Vorspiel der Flut, die von den Slums ausgehen wird; sie wird alles mit sich fortreißen.

Jetzt bedurfte es eines Retters, der in der Lage sein sollte, die Aufmerksamkeit des Volkes von den Ereignissen des Novembers und des Januars abzulenken. Das neuartige Coronavirus kam daher wie gerufen. Die Regierung benutzte die Angst des Volkes vor diesem unsichtbaren Feind dazu, den Drachen, der nun bei ihnen war, zu entfesseln. Die Krankheit COVID-19 war schon lange, bevor sie bekannt gegeben wurde, in den Iran gekommen. Doch um Trump zu trotzen, wurde die Feier des 41. Jahrestages der Revolution von 1979 dennoch abgehalten. Und um jene zu ohrfeigen, die sich mit der Schönfärberei nicht zufrieden gaben, wurden die Parlaments-wahlen wie geplant durchgeführt. Darnach sagten sie: Wir haben soeben herausgefunden, daß das Virus vorhanden ist; nun muß das Volk auf sich aufpassen.

Das Coronavirus war ein Geschenk des Himmels – ein Heiland. Sie kümmerten sich nicht darum, wie China mit dem COVID-19 umging; statt dessen hielten sie Predigten und berieten das Volk – und dies, obwohl ihre Methoden sich längst als zur Kontrolle und Verbesserung der Lage unfähig erwiesen hatten.

Ohne jede materielle Unterstützung „baten“ sie das Volk, zu Hause zu bleiben, verfügten aber nirgendwo Schließungen. Vor der Feier von Nowruz blieben die Straßen geöffnet; man sagte aber den Leuten, sie sollten „nicht reisen“. Die Straßen, die in die Städte hineinführen, wurden nicht kontrolliert; man kümmerte sich nicht um den Leichtsinn, der die Leute in Ferien fahren ließ. Als das medizinische Personal von der schweren Woge der Todesfälle erdrückt wurde, schickte man Veilchenöl; mit ihm – sowie mit Urin von Kamelen – sollte das Problem gelöst werden.

Das war die Art, wie sie [die Behörden] das hungrige und bedrückte Volk mit einem Löwen in einem Raum allein ließen; sie warteten darauf, daß die notwendige Arbeit von anderen würde geleistet werden. Unterdessen fanden – ohne Rücksicht auf die zu Himmelshöhe aufsteigenden Preise – Prozesse statt, als wäre die Lage völlig normal; jede Sitzung hätte im Chaos enden können. Man überließ die Wälder des Landes dem Feuer und verkündete Todesurteile über jene, die während der Ereignisse des Novembers verhaftet worden waren.

Während das Volk sich um das Überleben bemühte, wurde COVID-19 so rücksichtslos zur Bändigung des Ärgers der zahllosen hungernden Menschen instrumentalisiert, daß sie nun, nach sechs Monaten, nicht nur in der Kontrolle des Virus keinen Schritt weiter gekommen sind, sondern auch nach der offiziellen Statistik die Lage völlig außer Kontrolle geraten ist. Das bestätigen tausende von Infektionen und hunderte von Todesfällen pro Tag. Welches andere Ereignis als diese Krise hätte die Aufmerksamkeit des Volkes so erfolgreich von seinem Ärger und seinen unerfüllten Forderungen ablenken können?

Natürlich wird dies Souvenir aus China nicht ohne Gegenleistung bleiben. Sie sollten aber nicht vergessen, daß COVID-19 eines Tages beendet sein wird. Dann wird dies verwundete und beraubte Volk nichts mehr zu verlieren haben. Wenn dann sein Zorn ausbricht, dann wird es gegen die Zerstörung kämpfen, [die das Regime angerichtet hat], und dann wird man auch das sehen, was man bisher nicht sehen wollte. Wenn sie die Epidemie des Coronavirus dazu benutzt hätten, dem Volk zu helfen und damit ihr Ansehen wiederherzustellen, dann würde dies an den Rand gedrängte Volk die Pionierrolle in dem Unternehmen, die Lage in der Zukunft ins Gleichgewicht zu bringen, gern übernehmen.

Das Volk wird nicht vergessen, wie es in diesen bitteren Ragen verraten wurde. Diese Erinnerung wird auf das einwirken, was die Zukunft bringt.

Die Regierung hat die Chance versäumt, das Coronavirus wirksam zu kontrollieren und einzudämmen, um den Zorn des Volkes unter Kontrolle zu bringen. Ich wünschte aber, daß das Leid und die Krankheit des Volkes nicht als Kur des Vergessens und Mittel der Rache an den Ereignissen des Novembers und Dezembers wäre benutzt worden.

Denn bald wird das Volk an den Tisch treten, um zu essen; seine Verzweiflung darüber, daß der Tisch leer ist, wird es zu neuen Protesten auf die Straße führen.