Friday, May 20, 2022
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Der stellvertretende Innenminister des Iran warnt vor Erhebungen

„Die Menschen interessieren sich immer mehr für Demonstra-tionen auf der Straße“ – so warnte Taghi Rostamvandi, der stellvertretende Innenminister des Iran; er räumte ein, daß die Gesellschaft sich in einem explosiven Zustand befindet.

Während die Demonstrationen in allen Bereichen des Lebens sich im Lande aufgrund wirtschaftlicher und sozialer Schwierigkeiten ausbreiten, können die Funktionäre des Regimes und die staatlichen Medien nicht länger vorgeben, daß die Lage normal sei.

Am 16. Januar gab Rostamvandi der staatlichen Website „Iran Press“ zufolge zu: „Das Maß des Verlangens des Volkes nach Demonstrationen ist beträchtlich. Wenn die Leute auf die Straße gehen, um ihrem Protest intensiven Ausdruck zu verleihen, sollten wir – denn die Proteste gehen über das Normale hinaus – eine soziopolitische Bewertung in Angriff nehmen.“

Rostamvandi sagte über den zunehmenden Haß des Volkes auf das Regime und sein immer stärkeres Verlangen nach einer säkularen Regierung: „Die Geduld des Publikums nimmt stark ab, während der wirtschaftliche und finanzielle Druck weiterhin zunimmt. Wir sollten die Alarmglocken läuten, denn immer mehr Menschen halten aufgrund der Unfähigkeit und Miß-wirtschaft nach einer säkularen Regierung Ausschau. Es ist sehr gefährlich.“

Seit der Revolution von 1979 bedient sich die herrschende Theokratie der Religion, um ihre Schandtaten zu rechtfer-tigen. Die Mullahs benutzen die Predigten der Freitagsgebete und die Moscheen dazu, ihre Propaganda zu verbreiten und ihre reaktionäre Auslegung des Islam, die von der bebenden Gesellschaft des Iran, hauptsächlich der Jugend, zurückgewiesen wird, zu verteidigen.

Dem staatlichen Fernsehen zufolge sagte Ahmadreza Shahrokhi, der Leiter des Freitagsgebetes von Khorramabad, am 14. Januar: „Es kann nicht hingenommen werden, daß zentrale Moscheen in den Städten keine täglichen Gebete mehr veranstalten. Schuld daran seid ihr – das Volk. Die Leiter der Gebete klagen, daß, während wir in die Moscheen gehen, das Volk sich dort nicht blicken läßt. Das ist für das Regime nicht der richtige Weg. Wir haben ja Dinge geschafft – z. B. den Sieg im (iranisch-irakischen) Krieg.“
Die Erinnerung an die Demonstrationen, die im November 2019 überall auf den sprunghaften Anstieg der Benzinpreise folgten

Mit ‚Sieg‘ meint Shahrokhi die Tatsache, daß das Regime während des Krieges zwischen dem Iran und dem Irak Millionen von Iranern in den Tod schickte. Während der 80er Jahre benutzten die Mullahs die Moscheen und andere Tribünen, um Kinder zu rekrutieren, ihnen Gehirnwäsche angedeihen zu lassen und sie mit Anwendung von Zwang an die Fronten zu entsenden. Das Regime bediente sich unschuldiger Kinder sozusagen als menschlicher Wellen zur Räumung von Minenfeldern.

Im Jahr 2009 gestand Mehdi Karoubi, der damalige Sprecher des Parlaments des Regimes: „Als der Krieg ausbrach, sprachen wir zu den Leuten auf eine Weise, die es dem Erziehungs-ministerium ermöglichte, 36 000 Kinder in den Krieg zu schicken, die allesamt den Märtyrertod erlitten. In dieser Zahl sind die verletzten (Kinder) nicht enthalten.“

Das iranische Volk erleidet den wirtschaftlichen Zusammen-bruch des Landes, der von der Korruption, der Unfähigkeit und der Mißwirtschaft des Regimes bewirkt wird. Anstatt die Probleme des Volkes zu lösen, steigert es die Repression und Propaganda, um das düstere Gesicht der im Iran herrschenden Armut zu verstecken. Daher zieht am Horizont ein weiterer Aufstand auf; er erschreckt das Regime, seine Medien und die Funktionäre.

Am 16. Januar warnte die staatliche Tageszeitung „Mardom Salarie“: „Das Land befindet sich in keiner guten Lage. Das ist die ungefälschte Wahrheit; sie ist jedermann klar. Revolten, erheblich größer als die von 2018 und 2019, ziehen herauf. Wenn wir nicht einig bleiben und entsprechend handeln, werden sich diesmal – davor haben viele Soziologen gewarnt – die Armen auf der Straße rächen.“