Wednesday, October 20, 2021
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Die Menschenrechtsverbrechen von Ebrahim Raisi: Augenzeuge Nahid Taheri

Menschenrechtsbericht von Ebrahim Raisi: Augenzeugenberichte, Nahid Taheri
Mein Name ist Nahid Taheri. Ich wurde im Februar 1982 im Hamedan Gefängnis inhaftiert und befand mich dort bis April 1984. Das Gefängnis ist auch als Ershadgah Gefängnis bekannt. Ich war Student, als ich inhaftiert wurde. Ershadgah war ein Ort, wo uns das Regime mit Gewalt zwingen wollte, von unseren Idealen Abstand zu nehmen, doch sie sind damit gescheitert. Während meiner Zeit in diesem Gefängnis war Ebrahim Raisi der Staatsanwalt von Hamedan und ein anderer Mullah mit dem Namen Salimi war der Richter in unserer Stadt.
Jeder Gefangene kam dort vor Gericht und erhielt seine Strafe. Raisi ließ dort alle Frauen vorladen und teilte ihnen ihre Urteile mit. Er sprach viele Todesurteile aus, unter anderem die Todesurteile meiner Zellenkolleginnen Mahnaz Sahrakar, Mina Abdoli aus Malayer und Fakhri Gholami aus Kermānshāh. Sie alle wurden 1983 hingerichtet.
Eine der Methoden von Raisi zu dieser Zeit war, dass die Gefangenen durch Erhängung zum Tode verurteilt wurden. Damals war es üblich, dass Erschießungskommandos die Todesurteile vollstreckten, doch er wollte die Gefangenen länger leiden sehen.
Fakhri Gholami war verletzt und im Hamedan Gefängnis inhaftiert. Ich überbrachte ihr die Grüße der anderen Zellinsassen und fragte sie nach ihrer Strafe. Sie sagte:“ Raisi hat mich zum Tode verurteilt und sagte mir, dass ich meine vergessenen Gebete nachholen soll, bevor sie mich hinrichten werden. Ich habe ihm gesagt, dass ich keine Gebete vergessen habe.“
In unseren Zellen saßen einige Mütter, die im Gefängnis ihre Kinder zur Welt gebracht haben und wir haben sie gemeinsam aufgezogen. Da war die Mutter Farideh Goudarzi, die ihr Kind im Gefängnis zur Welt gebracht hatte. Sie und das Kind waren sechs Monate lang in Einzelhaft. Das Kind hat niemanden außer seine Mutter und eine Wache gesehen, die hin und wieder die Tür öffnete. Nach sechs Monaten kamen sie in unsere Zelle zurück und das Kind geriet in Panik und schrie, als es uns sah. Es brauchte eine Weile, bis uns das Kind vertraute und normal wurde.
Dann war da die Mutter Parvaneh. Sie hatte eine Tochter mit dem Namen Azadeh, die ebenfalls im Gefängnis geboren wurde. Die Mutter hatte nicht einmal minimale Hygieneeinrichtungen zur Versorgung ihres Kindes und es hatte noch nicht einmal Windeln. Das sorgte dafür, dass das Kind schnell Infektionen bekam und ständig schrie. Es war eine schreckliche Situation für uns.


Ich werde nie den Tag vergessen, wo Raisi in unsere Zelle kam und alle aufforderte, diese zu verlassen. Mit ihm kamen einige Wachen, auch einige Wärterinnen. Wir waren rund 50 Gefangene, die auf den Korridor des Gefängnisses traten. Dort befahl man uns, sich hinzusetzen und dass jeder Gefangene einen Meter von dem anderen entfernt sitzt. Danach bekamen wir eine Augenbinde umgebunden. Niemand wusste, was passiert. Wir spürten nur, dass sie unsere Sachen durchsuchten und alles mitnahmen, was sie fanden. So blieben wir vier Stunden lang sitzen und dann durften wir die Augenbinden abnehmen. Wir sahen, dass nur noch 10 von uns da waren. 12 von ihnen kamen in der Nacht wieder zurück, die anderen sahen wir nie wieder. Die 12 Gefangenen, die zurück kehrten, waren schwer gefoltert worden und konnten nicht mehr gehen. Wenn wir fragten, was geschehen ist, waren sie still und fragten wir die Wärter, schlugen sie uns zusammen. Wir fanden später heraus, dass man angenommen hatte, dass sie zu den Mujahedin-e Khalq gehören. Wir hörten, dass zwei von ihnen hingerichtet wurden. Die anderen bekamen eine erneute Verhandlung und wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.
Es gab auch eine alte Frau, die zusammen mit ihrem Enkelkind verhaftet wurde. Ihr einziges Verbrechen war, dass ihre Söhne Mitglieder der MEK waren. Sie haben gesagt, dass sie beide verhaftet haben, damit sie sagen, wo die Söhne sind. Das vier Jahre alte Enkelkind schrie ständig und fragte nach seinen Eltern. Es war schrecklich für uns und die alte Frau.