Monday, November 29, 2021
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Die Menschenrechtsverbrechen von Ebrahim Raisi, der Augenzeugenbericht von Batoul Majani

Die Menschenrechtsverbrechen von Ebrahim Raisi, der Augenzeugenbericht von Batoul Majani
Mein Name ist Batoul Majani. Ich bin eine ehemalige politische Gefangene und habe sieben Jahre im Gefängnis verbracht. Ich wurde viermal verhaftet. Am 27. Juli 1988 wurde ich zum letzten Mal verhaftet. Das iranische Regime hat in den 1980er Jahren sieben Mitglieder meiner Familie ins Gefängnis gebracht und hingerichtet.
Mein Onkel starb im Februar 1981 unter der Folter. Ein weiterer Verwandter von mir, Ahmad Ahmadi, wurde im Sommer 1981 hingerichtet. Fünf weitere Mitglieder meiner Familie wurden im Jahr 1988 hingerichtet, einer davon war mein Bruder Abdolrasul Majani.
Am 27. Juli 1988 wurde ich bei mir zuhause festgenommen. Drei oder vier Revolutionsgardisten kamen in das Haus und luden mich vor unter dem Vorwand, sie hätten einige Fragen. Auf der Straße verbanden sie mir die Augen, was sie nicht in Gegenwart meiner Eltern zuhause hatten tun wollen. Ich sah, dass sie eine Liste von Namen hatten. Später fand ich heraus, dass auf ihrer Liste die Namen von frei gelassenen Gefangenen standen und dass sie sie einen nach dem anderen aufsuchten. Sie arbeiteten die Liste ab und brachten uns alle ins Gefängnis.
Zwei Wochen lang waren wir in dem Gefängnis, wo wir vernommen und gefoltert wurden. Als sie mich eines Morgens zur Vernehmung holten, sah ich meinen Bruder Abdulrasul Majani im Gefängnishof in Gefangenenkleidung. Das war das letzte Mal, dass ich ihn sah, und später fand ich heraus, dass er in diesem Gefängnis hingerichtet worden ist.
Nach zwei Wochen mit Vernehmungen brachten sie mich ins Evin Gefängnis. Ich wurde in Einzelhaft gebracht, was sie die „Ruhetrakte“ nannten. Nach zwei Wochen kam ich vor Gericht. Ich wusste nicht, was im Evin Gefängnis passierte. Als sie uns ins Gericht riefen, haben sie uns zuerst die Augen verbunden. Als ich in den Korridor ging, sah ich viele Gefangene in einer Reihe. Ich bemerkte, dass wir in einem großen Korridor waren und es waren viele Männer und Frauen in dem Korridor. Die Insassinnen standen auf einer Seite und die männlichen Insassen auf der anderen Seite. Ich war schockiert und fragte mich, was dort passierte. Heimlich fragte ich eine Gefangene: „Warum sind hier so viele Leute?“, worauf sie sagte: „Hier ist ein Sondergericht, wo die Todeskommission stationiert ist. Sie bringen jeden Gefangenen her und viele Gefangene bringen sie von hier an den Galgen“.
Sie war überrascht und fragte mich, wo ich gewesen sei, dass ich nicht wisse, was hier passiert. Ich antwortete ihr, dass sie mich gerade eben hierher zurückgebracht hätten. Ich fragte sie nach meiner Kusine Farah Aghayan, die im Frauentrakt mit Zellen mit „verschlossener Tür“ war. Ich fragte sie: „Hast du Informationen über Farah?” Darauf antwortete sie: „Ja ich kenne sie. Es waren 35 sehr rebellische Frauen in einer Zelle mit verschlossener Tür. Sie waren die ersten, die vor dieses Gericht kamen und sie wurden alle hingerichtet“.


Da merkte ich, was passierte und es hat mich sehr durcheinander gebracht. Ich war verwirrt. Sie riefen meinen Namen und ich ging in den Gerichtsraum. Ich sah vier oder fünf Personen hinter einem Schreibtisch. Sie stellten mir Fragen. Während sie mich befragten und ich antwortete, fing einer von ihnen an zu schreien: „Sie gehört zur MEK. Sie lügt und sie sollte hingerichtet werden“. Später bekam ich heraus, dass diese Person Ebrahim Raisi war. Ich erinnere mich immer noch an Raisis brüllende Stimme, die sagte, dass dies das vierte Mal war, dass sie verhaftet worden ist und dass sie hingerichtet werden soll.
Nach wenigen Minuten holten sie mich aus diesem Raum. Alle, die vor dieses sogenannte Gericht kamen, wurden später in einen Flur gebracht, an dessen Ende eine Gruppe von alten Zellen war. Als ich eine dieser Zellen betrat, sah ich, dass sie schmutzig war. Diese Zellen waren verlassen. Aber an den Wänden sah ich Geschriebenes von denen, die zum Galgen gebracht worden waren. Sie hatten das geschrieben, als sie die Zelle betraten und als sie zur Hinrichtung gebracht worden waren.
Da wir die Augen verbunden hatten, versuchten wir, die Gesichter der Funktionäre des Regimes zu erhaschen. Ich sah dort Raisi und Hosseinali Nayeri. Davor war ich zweimal verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nayeri war der Sharia Richter, der mich zur Gefängnisstrafe verurteilt hatte. Aber an dem Tag sah ich Raisi. Als ich schließlich aus dem Gefängnis frei gelassen worden war, fand ich heraus, dass die Person, die mich angeschrien hatte, Raisi war. Raisi und Pourmohammadi waren in der Todeskommission während des Massakers von 1988.
Fünf Monate lang war ich in der Zelle. Als ich in den Trakt zurückkehrte, erfuhr ich, dass 90 % derer, von denen ich wusste, dass sie zu Gefängnis verurteilt worden waren, alle hingerichtet worden sind. Mein Bruder ist 1988 erneut verhaftet und hingerichtet worden. Er war von 1981 bis 1986 im Gefängnis gewesen und frei gelassen worden, als die Zeit seiner Gefängnisstrafe abgelaufen war. Im Juni 1988 wurde er wieder verhaftet. Seit seiner letzten Verhaftung war er nur einen Monat lang im Gefängnis gewesen und nicht einmal verurteilt worden. Er wurde hingerichtet ohne irgendein rechtliches Verfahren.
Eine meiner Freundinnen war Zahra Kiyaie, die zur Zeit ihrer Verhaftung 17 Jahre alt war. Sie wurde brutal gefoltert. So stark wurde sie gefoltert, dass ich einmal sah, wie Blut aus ihren Beinen kam, und die Gefängnisbeamten waren gezwungen, ihr Bein zu operieren. In einem Interview weigerte sie sich, die MEK zu verurteilen. Sie hatten ihr gesagt, dass sie hingerichtet werden würde, wenn sie die MEK nicht verurteilt. Sie weigerte sich, die MEK zu verurteilen und sie richteten sie hin. Drei Jahre lang war sie im Gefängnis, ohne dass man sie verurteilte. Nach drei Jahren wurde sie zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, aber während des Massakers von 1988 erhängten sie sie.
Meine Kusine Farah Aghayan war eine sehr aktive Studentin an der Universität von Teheran. Sie wurde 1982 verhaftet. Später wurde sie zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie widersetzte sich immer den Gardisten und verteidigte entschieden die MEK. Schließlich verurteilten sie Raisi und Pourmohammadi 1988 zum Tode und sie wurde hingerichtet. Ihr Bruder Ami Aghayan wurde in der Provinz Semnan hingerichtet, obwohl er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Ihr Vater, ein verdienter Lehrer in Shahrud, erlitt einen Herzanfall und starb, als er hörte, dass seine Kinder hingerichtet worden waren. Auch ihre Mutter wurde danach krank.
Eine andere Verwandte von mir, Zahra Nazemi, wurde auch während des Massakers von 1988 hingerichtet. Sie wurde ein zweites Mal verhaftet. Sie hatte drei Jahre im Gefängnis verbracht, bevor sie wieder festgenommen wurde. Sie hatte versucht, sich der MEK im Irak anzuschließen und wurde verhaftet. Sie hatten sie zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt und sie war dann im Gefängnis der Provinz Semnan.
Es gab 40 Gefangene in dem Gefängnis von Semnan, Obwohl sie Gefängnisstrafen hatten, wurden sie hingerichtet. Nur drei von ihnen überlebten.
Ein anderes Beispiel ist Gholamreza Mohammadi, der Vetter meiner Mutter. Er war im Gohardasht Gefängnis. Er wurde aus dem Gefängnis von Maschhad nach Teheran gebracht und auch unter Druck gesetzt verteidigten er und seine Kameraden ihre Identität und die MEK. Ich habe gehört, dass sie sich bis zu einem Punkt widersetzten, dass die Wärter Angst hatten, ihre Zellen zu öffnen. Sie waren die ersten, die im Gohardasht Gefängnis hingerichtet wurden.
Als Überlebende dieses Massakers und im Namen vieler Familien der Opfer innerhalb des Iran bitte ich Sie alle, an der Bewegung des Iranischen Widerstands zur Suche nach Gerechtigkeit teilzunehmen. Wir wollen Gerechtigkeit für alle diese Märtyrer. Wir sollten diese Angelegenheit vor alle internationalen Instanzen bringen, um hoffentlich diese Verbrecher vor einem internationalen Gericht zur Rechenschaft ziehen zu können.