Friday, July 3, 2020
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Die Unterdrückung an den Universitäten im Iran

Die iranische Regierung hat nach den Protesten von 2009, an denen viele Studenten teilgenommen hatten, als Mittel der Kontrolle über Studenten und Universitäten alle Studentenorganisationen geschlossen. Außerdem hat die Regierung die Zahl unabhängiger Studenten verringert, indem sie mehr Quoten eingeführt hat. Im Jahr 2011 kamen fast nur dafür ausgewählte Studenten an die Universitäten.

Die Quoten, die heute an den Universitäten gelten, enthalten folgende Kriterien:

  1. Studenten, die Mitglieder der paramilitärischen Bassidsch-Kräfte sind
  2. Studenten aus den Familien toter Soldaten oder verwundeter Veteranen im Iran-Irak-Krieg , die von der Regierung „Isargaran” genannt werden
  3. Studenten, die mit dem Corps der Islamischen Revolutionsgarden und dem Ministerium der Jihad Landwirtschaft (seinerseits an das IRGC angeschlossen) verbunden sind
  4. andere Studenten, die nicht unter diese Kategorien fallen.

Die Studenten der ersten drei Kategorien haben bessere Chancen, an die Universität zu kommen als Studenten,  die sogar gut bei den sehr wettbewerbsorientierten Landesweiten Prüfungen zur Zulassung an den Universitäten abschneiden. In Wirklichkeit sind 75 % der Universitätsstudenten mit der Regierung oder den paramilitärischen Kräften verbunden.

Jede Art von Aktivismus an den Universitäten wird sofort gestoppt. Zum Beispiel wurde eine Studentin an der Alameh Universität festgenommen, als sie am Studententag von 2016 eine Rede gehalten hatte, und von einem Gericht zu anderthalb Jahren Gefängnis und einem zweijährigen Reiseverbot verurteilt.

Vor kurzem wurde die Quote für die Angehörigen von Veteranen und Freiwilligen, die mindestens sechs Monate an der Front im Krieg verbracht haben, um 5 % erhöht. Das bedeutet, dass die Quote für „Isargaran“, was als „Geber“ oder „Solche, die sich geopfert haben“ zu übersetzen ist, auf 30 % gestiegen ist.

Solche Gesichtspunkte haben die Glaubwürdigkeit der iranischen Wissenschaftsgemeinschaft kompromittiert. Die Zulassungsrate für   Freiwillige außerhalb der Quoten in den Feldern für medizinische und zahnmedizinische Assistenten beträgt nur 35 %, der Rest fällt denjenigen zu, die mit dem Bassidsch und dem Corps der Revolutionsgarden in Verbindung stehen.

Es werden jetzt öffentliche Universitäten gebraucht, die ausländische Studenten für die Abschlüsse Master und Ph.D. anziehen. Solche ausländischen Studenten aus Ländern wie dem Irak, wie Afghanistan, Syrien, der Libanon, wie Palästina, der Jemen und Pakistan werden, so wird erwartet, die Kultur der Islamischen Republik Iran in ihre Herkunftsländer bringen und das Regime unterstützen. Sie bekommen Stipendien und die iranische Regierung zahlt für ihre Schlafplätze und andere Einrichtungen, die mit Bildung in Zusammenhang stehen.

Hauptfachstudenten in den Ingenieurwissenschaften und in der Medizin benötigen Einrichtungen für die Praxis und Laboratorien, woran es aber an den iranischen Universitäten mangelt.

Von der Organisation der Obersten Führung ist eine Anordnung ergangen, dass sunnitische Studenten und solche aus anderen religiösen Minoritäten von schiitischen Studenten zu separieren sind. Jedes ihrer religiösen Programme, jede ihrer Aktivitäten in diesem Bereich muss genehmigt werden und eine Erlaubnis von der Organisation der Obersten Führung und der Sicherheitsorganisation der Universität haben. Gottesdienstliche Gebete der Sunniten sind verboten. Sunnitischen Studenten  ist es nicht erlaubt, Gebete oder besondere religiöse Programme in den Schlafräumen oder den öffentlichen Bezirken der Universität auszuführen.

Nach einer anderen Anordnung brauchen Bücher und Texte für die Ausbildung eine ausdrückliche Erlaubnis, damit sie im Curriculum verwendet werden können. Nach einer Charta, die das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Technologie (das Ministerium, das für die höhere Bildung zuständig ist) herausgegeben hat,   wurden bestimmte Rahmen eingeführt  im Zusammenhang mit der Verwendung von Textbüchern durch Professoren, womit eine Atmosphäre hergestellt werden soll, die mit den Werten der Islamischen Republik konsistent ist.

In diesem Sommer wurden CCTV Systeme (Überwachungskameras) in den Universitäten installiert. Ebenso wurden sie in Parks und Erholungsgebieten sowie in Bussen eingerichtet. Nach einer informierten Quelle wurden sogar Abhörvorrichtungen in einigen Bezirken angebracht, in denen viel Gedränge herrscht.

Studenten werden jetzt gezwungen, Ids für den Gebrauch des Internets in Internet Cafés der Universitäten zu verwenden; außerdem gibt es dabei zeitliche Beschränkungen. CCTV Kameras zeichnen alle Kommunikationen und den Gebrauch des Internets durch Studenten auf. Das kostenlose Wi-Fi der Universität kann nur mit einem Passwort benutzt werden – das einen Studentenausweis, eine nationale Ausweisnummer oder die Seriennummer oder MAC Adresse des Handys, Tablets oder Laptops voraussetzt.

Persönlichen Fahrzeugen von Studenten, Professoren und Verwaltungspersonal ist der Zugang ohne weiteres untersagt, ebenso Taxis, falls sie nicht die Erlaubnis der Sicherheitsorganisation und eine Bescheinigung für den Transport haben. Universitätsprofessoren und Verwaltungspersonal müssen für die Zufahrt ihre Fahrzeuge registrieren lassen und eine Transportbescheinigung haben.

In der Umgebung von Schlafsälen sind Fotos, Abbildungen und Symbole, die nicht den Standards des islamischen Systems entsprechen, nicht zugelassen, das Anbringen ist strafbar. Nicht autorisierte Musik ist verboten und strafbar. Kleidung, die nicht konform mit den islamischen Werten geht, ist verboten. Die Studenten müssen die Verwaltung der Schlafsäle darüber informieren, wenn sie sich außerhalb der Schlafbezirke aufhalten. Nicht-Studenten ist es verboten, die Schlafbezirke zu betreten, es sei denn, dass das mit der Verwaltung der Schlafsäle abgesprochen ist. Versammlungen in der Umgebung der Schlafsäle sind ebenfalls verboten, außer wenn sie die Erlaubnis von deren Verwaltung und der Sicherheitsorganisation der Universität haben.

Studentinnen müssen in den Schlafbezirken immer verschleiert sein und jeder Kontakt mit der Außenwelt sollte nur mit Wissen der Verwaltung der Schlafsäle stattfinden.

Kulturelle oder religiöse Zeremonien in den Schlafbezirken sind verboten, außer sie haben die Erlaubnis der Sicherheitsorganisation der Universität und ein Vertreter von ihr ist bei der Zeremonie anwesend.

Es ist illegal, wenn sunnitische Kleriker sich im Schlafsaal aufhalten, es sei denn in Anwesenheit eines Vertreters der Sicherheitsorganisation. Ebenso ist der Zugang politischer, kultureller oder künstlerisch   tätiger Personen untersagt außer mit Erlaubnis der Sicherheitsorganisation und in Anwesenheit von einem von deren Vertretern.