Thursday, September 23, 2021
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Folterung politischer Gefangener wegen erzwungener Fernsehkonfessionen

Die Vereinten Nationen werden aufgefordert, die Gefängnisse zu besuchen und mit Moradi, Younesi und den Brüdern Afkari zusammenzukommen

Dringende Aufforderung zu Maßnahmen mit dem Ziel der Entlassung der politischen Gefangenen – der inhaftierten Demonstranten

Am 5. September 2020 schrieb die Schwester des politischen Gefangenen Ali Younesi – eines preisgekrönten Studenten der Technischen Universität von Sharif, der sich seit fünf Monaten in Haft befindet – auf Twitter: „Am Mittwoch (den 2. September) sagte man meinem Bruder Ali Younesi, er solle die gegen ihn gerichteten Beschuldigungen in einem Geständnis akzeptieren, das vom Fernsehen gesendet werden würde; dann werde er zu lebenslanger Haft und nicht zum Tode verurteilt werden. Nach fünfmonatiger Haft – Einzelhaft und öffentlichen Verhören – bestanden sie auf einer Vernehmung im Fernsehen; in diesem Sinne haben sie während der letzten drei Wochen Druck auf ihn ausgeübt und ihn bedroht.“

Der Einsatz der Folter, der psychologischen Kriegführung gegen die politischen Gefangenen zu dem Zweck, von ihnen in einer Fernsehsendung Geständnisse zu erzwingen, gehört zu der bekannten Taktik, die seit vierzig Jahren in den Gefängnissen des Regimes benutzt wird. Am 2. September 2020 veröffentlichte Amnesty International einen schockierenden Bericht mit dem Titel „Die Humanität wird mit Füßen getreten: Massenverhaftungen, Verschwinden von Häftlingen, Folter seit den Demonstrationen von November 2019 im Iran“; der Bericht enthüllt Dutzende Beispiele solcher gegen die Demonstranten eingesetzten Brutalität.

Amir Hossein Moradi und Ali Younesi, zwei Elite-Studenten der Technischen Universität von Sharif, wurden seit dem 10. April 2020 vermißt. Widerwillig räumte die Justiz der Mullahs am 5. Mai 2020 ihre Verhaftung ein. Nach einer zwei Monate anhaltenden interna-tionalen Kampagne, die die Entlassung der beiden Studenten zum Ziel hatte, veröffentlichte die mit dem IRGC verbundene Nachrich-tenagentur „Fars“ einen Bericht über die öffentliche Vernehmung zweier Universitäts-Studenten durch Vernehmungsbeamte und die Islamischen Vereinigungen, die das Ziel hatte, sie zu einem Geständnis zu zwingen und ihren Widerstand zu brechen.
Ali hatte auf der 12. internationalen Olympiade zu Astronomie und Astrophysik, die 2018 in China stattfand, die Goldmedaille gewonnen. Davor hatte er auf der Nationalen Olympiade zur Astronomie in den Jahren 2016 und 2017 eine Silber- und eine Goldmedaille gewonnen. Auch Amir Hossein hatte 2017 eine olympische Silbermedaille gewonnen.

Angesichts der systematischen Folter – eines deutlichen Falls von Verbrechen gegen die Menschlichkeit – fordert der iranische Wider-stand den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und seine Mitgliedsstaaten, den Generalsekretär, die Hohe Kommissarin für die Menschenrechte und den Menschenrechtsrat sowie die Europäische Union auf, die anhaltende Folter und die fortgesetzten Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Iran zu verurteilen. Außerdem fordert er sie dringend zu Maßnahmen auf, die geeignet sind, die Entlassung der inhaftierten Demonstranten und politischen Gefangenen sicherzustellen. Er unterstreicht die Notwendigkeit, eine internationale Ermittlungskommission einzusetzen, die die Gefängnisse des Regimes besuchen und mit Amir Hossein Moradi, Ali Younesi und den Brüdern Afkari zusammenkommen würde.

Sekretariat des Nationalen Widerstandsrates des Iran (NWRI)
den 7. September 2020