Friday, July 3, 2020
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Iran: Der Bruder einer politischen Gefangenen fordert ihre Entlassung

Von Hossein Farsi

Während der 80er Jahre habe ich im Iran 12 Jahre in politischer Gefangenschaft verbracht; ich lebe jetzt außerhalb des Iran. Mir ist die brutale Behandlung bekannt, wie die Häftlinge von den Agenten des iranischen Regimes behandelt werden; ich weiß, daß sie sie foltern. Während der Zeit meiner Haft verbrachte ich viele Tage und Nächte in Sorge und Angst.

Ich erinnere mich daran, wie Lajevardi, der Leiter der Gefängnisse, uns gegenüber scherzte: „Ich bin der Schatzmeister. Das Land hat, um euch zu ernähren, keinen Überfluß an Brot. Wir geben euch gerade so viel, daß ihr nicht sterbt, damit wir euch alle selbst hinrichten können.“ Damals wurde ich von meiner Schwester Marzieh Farsi, die 22 Jahre alt war, besucht; sie wollte meine Qual lindern.

Das Massaker des Sommers 1988 ist ein historisches Ereignis. Während dieses Massakers wurden auf Anordnung Khomeinis 30 000 politische Gefangene in den Gefängnissen der Islamischen Republik des Iran geheim hingerichtet – die meisten im August und September 1988; sie wurden in Massengräbern bestattet.

Nun – mehr als 30 Jahre nach diesen blutigen Ereignissen – sind die Gefängnisse immer noch dieselben, die Folter ist geblieben, doch wir hoffen, daß das Regime nicht mehr lange durchhalten wird. Diesmal ist meine Schwester verhaftet worden; es ist mir nicht möglich, sie zu besuchen.

Ich unterstütze sie von außen. Doch es kommt ein weiterer Unterschied hinzu: Das Coronavirus wirft auf die Gefängnisse seinen ominösen Schatten. Am frühen Morgen des 5. Februar 2020 hielten vor der Tür von Marziehs Haus Autos an. Drei oder vier Männer warteten draußen im Auto, und fünf oder sechs überfielen ihre Wohnung. Sie durchsuchten alles, sogar den Boden unter den Teppichen. Sie beschlagnahmten einen Computer, Fotoapparate, das Mobiltelefon, alle Papiere, die ihnen in die Hände fielen sowie Fotos und Albums. Sie konnten sich nicht legal ausweisen; sie sagten nur, wir sollten uns beeilen mitzukommen. Während dieses Überfalls verhafteten die Agenten des Geheimdienstministeriums des iranischen Regimes in Teheran acht Personen: Ahmad Farsi (meinen Bruder) mit seiner Frau und ihren beiden Kindern, Marzieh Farsi (meine Schwester), ihren Mann und ihre beiden Kinder – und diese ohne Haftbefehl.


Marzieh Farsi

Nach drei Wochen Verhör und Einschüchterung wurde die Familie von Ahmad Farsi entlassen. Auch der Ehemann seiner Schwester und ihre beiden Kinder werden entlassen werden – nach einem Monat voller Verhöre, psychologischer Folter und Einschüchterung, doch Marzieh Farsi wird noch immer im Evin-Gefängnis festgehalten – mit Folter und Verhören durch die Agenten des iranischen Geheimdienst-ministeriums.

Marzieh, die 53 Jahre alt ist, leidet am Herzen, und sie hat Krebs. Im vorigen Jahr – 2019 – unterzog sie sich einer Krebs-Operation. Aufgrund der Coronavirus-Epidemie im Evin-Gefängnis und ihrer Krankheit schwebt sie in Lebensgefahr. Sie ist eine politische Gegnerin des iranischen Regimes. Im Zusammenhang mit ihrem Fall wurden Verstöße gegen die Sicherheit erfunden; sie sieht der Todesstrafe oder einer langen Haftstrafe entgegen.

Ich fordere die internationale Gemeinschaft, die Menschenrechts-Organisationen und die Medien auf, meine Schwester Marzieh zu retten. Die Gesundheit meiner Schwester Marzieh ist in Gefahr.