Wednesday, January 19, 2022
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Iran: 1000 ehemalige politische Gefangene schwören, den Kampf für die Freiheit fortzusetzen

 

Bei einer Veranstaltung in Ashraf-3, der Heimstatt von Tausenden von Mitgliedern der Hauptoppositionsbewegung des Iran, der Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK), haben die Teilnehmer, darunter 1000 politische Gefangene unter den Regimes der Mullahs und des Schah, die internationale Gemeinschaft aufgerufen, ihr Schweigen gegenüber dem Massaker 1988 und dem Aufstand im November 2019 zu brechen, und gefordert, die Täter bei beiden Massakern, einschließlich des Obersten Führers Ali Khamenei und seines Präsidenten Ebrahim Raisi, strafrechtlich zu verfolgen.
Die Teilnehmer ehrten das Andenken an 30 000 politische Gefangene, die 1988 umgebracht wurden, und an die 1500 Protestierer, die beim Aufstand im November 2019 abgeschlachtet wurden. Mehrere frühere politische Gefangene sprachen bei der Veranstaltung und berichteten über ihren erschütternden Leidensweg in der Gefangenschaft.
Frau Masoumeh Malek Mohammadi, eine der Amtsträgerinnen in der MEK, die fast fünf Jahre im Gefängnis verbracht hat, hat das Programm moderiert.
„Der Sommer von 1988 hat das größte Massaker an politischen Gefangenen in der modernen Geschichte erlebt“, meinte Frau Mohammadi und ergänzte: „Im heutigen Programm versuchen wir, einen kleinen Einblick in die Fakten und Ausmaße dieses schrecklichen Verbrechens und ein Bild des Widerstandes der PMOI zu vermitteln. Die Opfer dieses Verbrechens waren die aufgeklärtesten, selbstlosesten und ehrwürdigsten Kinder des iranischen Volkes, die in Gruppen hinter den Zementmauern in den Todeskorridoren verschiedener Gefängnisse erhängt wurden“.
Die Veranstaltung fand gleichzeitig mit der Verlagerung der Gerichtsverhandlung gegen einen Amtsträger des Kleriker Regimes aus Stockholm nach Albanien statt, wobei es um dessen Rolle im Massaker von 1988 geht.
Das vollständige Bezirksgericht von Stockholm zog gemäß einem Antrag der Klägerschaft in den albanischen Hafen Durres um, um die Aussagen von Zeugen anzuhören, die bis zum 18. November befragt werden. Diese Zeugen sind alle Mitglieder der MEK und wohnen in Ashraf 3 in der Nähe von Durres.
Um die seltene Entscheidung zu erklären, äußerte der Vorsitzende des Gerichts im Fall Noury am 26. Oktober: „Trotz der Schwierigkeiten und der Herausforderungen bei der Verlagerung, haben wir uns so entschieden in Anbetracht der Bedeutung und des Gewichts der Zeugenaussagen der Kläger, die in Albanien sind. Wegen des Gewichts dieser Zeugenaussagen für den Fall werden alle sechs Richter, zwei Staatsanwälte, und die Vertreter der Kläger alle nach Albanien kommen“.
Parvin Firuzan, der sechs Jahre in den Gefängnissen des Regimes verbracht hat, war der erste Redner. „Obwohl das wirkliche Ausmaß und die Details des Massakers von 1988 an den politischen Gefangenen unbekannt sind, bleibt die Hinrichtung der weiblichen MEK Mitglieder ein Geheimnis und wird mehr als andere Aspekte des Massakers im Dunkeln gehalten und sehr wenige Frauen haben diesen Genozid überlebt“, sagte Firuzan.
Der nächste Redner war Asadullah Nabavi, der 13 Jahre im Gefängnis verbracht hat.
„Zu Beginn des Massakers war das Gefängnis in Semnan voll von politischen Gefangenen und mindestens 50 MEK Unterstützer wurden in allgemeiner und in Einzel-Haft gehalten. Aber im Oktober 1988 waren sowohl der allgemeine Trakt als auch die Einzelzellen komplett leer und Mitte Oktober 1988 haben nur drei von uns überlebt“, erklärte Nabavi und fügte hinzu: „Die Zahl der Opfer in Semnan ist definitiv hoch. Dies ist nur ein kleiner Teil der Massenhinrichtungen in einer kleinen Stadt. Mit diesen Zahlen kann man die Zahl der hingerichteten Unterstützer der MEK im ganzen Iran abschätzen, was das landesweite Ausmaß des Massakers und Genozids zeigt“.

Der Widerstand der Frauen in den Gefängnissen des Regimes wurde von anderen Überlebenden hervorgehoben. Eine dieser heldenhaften Frauen war Homa Jaberi, die Monate in den sogenannten „Wohneinheiten” verbrachte, wo Frauen sowohl physisch als auch psychisch gefoltert wurden.
„Die Bedingungen waren schrecklich. Sie haben uns von Kopf bis Fuß mit Binden und Tschadors bedeckt. Wir standen in absolutem Schweigen gegenüber der Mauer, obwohl sie uns erlaubt haben, einmal am Tag zu schlafen. Mehrere Male am Tag haben sie uns angegriffen“. So erinnerte sich Frau Jaberi an die Folterungen in den „Wohneinheiten“ im Ghezel Hesar Gefängnis. „Wir wurden schwer gefoltert. Wenn eine irgendein Geräusch machte, wurde sie gefoltert, bis zum Tod, mehrere Leute wurde brutal totgeschlagen“.
Hassan Zarif, der als nächster sprach, unterstrich auch den Widerstand der Frauen der MEK. Er war während des Massakers im Evin Gefängnis. „Nach zwei oder drei Tagen wurde mir klar, dass von der ersten Etage, wo die Unterstützerinnen der MEK gehalten wurden, niemand übrig war, und in der zweiten Etage…“, sagte Zarif.
Laut Ali Sarabi, dem nächsten Sprecher, hat das Regime mit den Massenhinrichtungen schon in den ersten 1980er Jahren angefangen.
„In jedem der allgemeinen Gefängniszellen von Evin, die etwa 5 x 6 Quadratmeter groß waren, waren 100 bis 120 Gefangene untergebracht. In solchen Zellen eingepfercht konnten wir so ohne weiteres nicht schlafen und mussten abwechselnd ruhen. Manche Gefangene hatten Wunden wegen der Folter oder waren bei der Verhaftung verletzt worden“, erzählte er. „In dieser Situation standen sie unter starkem Druck. Obwohl in dieser Zeit manchmal bis zu 300 Leute in jeder Nacht erschossen wurden, verringerte sich die Zahl der Gefangenen nicht und neue Verhaftete ersetzten die, die von Erschießungskommandos hingerichtet worden sind“.
Dr. Atefeh Ashtiani, die als nächste sprach, hob hervor, dass das Mullah Regime „die wertvollsten menschlichen Aktiva“ beseitigte.
„Darunter waren Studenten, auf verschiedenen Gebieten Graduierte, Spezialisten, Universitätsprofessoren, Schriftsteller, Künstler. Ich begnüge mich damit, die Namen verschiedener meiner Mediziner-Kollegen zu erwähnen: Dr. Masoumeh (Shurangiz) Karimian, Dr. Tabibinejad, 55, und Dr. Firuz Saremi, 60, wurden öffentlich in Täbriz erhängt“, fügte Dr. Ashtiani hinzu. Es ist außerdem erwähnenswert, dass Dr. Ashtianis Bruder Mehdi auch bei dem Massaker von 1988 hingerichtet wurde.


Andere Teilnehmer an dieser Veranstaltung, die in anderen Gefängnissen im ganzen Iran eingesperrt waren, bezeugten das Ausmaß an Brutalität des Regimes im ganzen Land.
„Die Geschichte dieser Sympathisanten und Mitglieder der MEK, die in den Gefängnissen auf dem Land umgebracht worden sind, wurde noch nicht erzählt“, äußerte Abbas Torabi, der in Zahedan im Südosten des Iran gefangen gehalten worden war.
„Ich war nur bei einem kleinen Teil des Massakers im Zahedaner Gefängnis Zeuge. Von 1987 an, fast ein Jahr vor dem Massaker, teilten sie die politischen Gefangenen in Gruppen auf und schickten sie in verschiedene Trakte und riegelten den Trakt für politische Gefangene ab. Mit einer Gruppe anderer Gefangener schickten sie mich in den Trakt der normalen Gefangenen“, so Torabi.
Abdolrasoul Ebrahimian, der unter dem Regime 17 Jahre im Gefängnis war, teilte auch mit, wovon er während des Massakers von 1988 Zeuge wurde, und zwar im Gefängnis von Täbriz.
„Als Ende Juli 1988 die Besuche gestoppt wurden und der Druck verstärkt wurde, bemerkten wir einige Veränderungen in unserer Umgebung. Die Wärter wurden brutaler“, berichtete er. „In eben diesen Tagen hörten wir den Ton von Freitagsgebeten im Fernsehen der Wärter, ein Singsang über die Hinrichtung der MEK. Einer der Insassen meinte dazu, die Situation sei wie 1981 und sie würden Gefangene in Gruppen hinrichten. Wer auch immer die Zelle verließ, kehrte nie zurück. Ein nicht politischer Gefangener sagte auch zu uns, dass die Situation schrecklich sei. Politische Gefangene werden hingerichtet. Als wir diese Nachrichten hörten, bereiteten wir uns vor“.
Frau Maryam Rajavi, die gewählte Präsidentin des Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI), schloss sich der Veranstaltung an und wandte sich kurz an die Zuhörer. Unter anderem sagte Frau Rajavi: „Die Flammen des blutgetränkten Aufstandes im November 2019 wurden nicht gelöscht und werden niemals verlöschen. Das Kleriker Regime hat ihn in ein Blutbad verwandelt. Aber jene 1 500 jungen Seelen und Teenager, deren Herzen in der Brust auf den Straßen und Alleen und in den Sumpfgebieten vom Kugelhagel durchbohrt wurden, werden wieder auferstehen. Sie werden wieder auferstehen in der Form einer großen und riesigen Armee mit zahllosen Soldaten. Sie werden ihre Schlacht fortsetzen und kämpfen, bis mehr Aufstände wie der vom November 2019 ausbrechen, bis die Planer und Täter all der Massaker vor Gericht gestellt werden und bis der religiöse Faschismus im Iran gestürzt ist“.