Wednesday, October 20, 2021
StartNachrichtenMenschenrechteIran: Auspeitschen von mindestens 900 Menschen, die nicht fasten

Iran: Auspeitschen von mindestens 900 Menschen, die nicht fasten

Staatsanwalt der Stadt Qazvin: „Auspeitschen der Fastenbrecher ist Dienst an Khamenei!“

Staatlichen Medienberichte zufolge haben Ordnungskräfte mindestens 900 Bürgerinnen und Bürger in den iranischen Stätdten Shiraz, Täbriz, Hamadan und Ilam verhaftet und ausgepeitscht.

Der stellvertretende Staatsanwalt von Schiraz, Ali Keshavarz, bestätigte, dass alleine in Schiraz 500 Menschen verhaftet wurden, weil sie nicht im laufenden Monat Ramadan fasteten. Von den 500 wurden 480 Anklagen innerhalb von 24 Stunden erhoben. Die meisten Urteile waren Auspeitschungen, die von Henkern der „Einheit der Urteilsausübung“ ausgeführt werden. Viele der Strafen wurden gegen Jugendliche ausgesprochen und sie werden öffentlich vollzogen werden. Zudem gab es fast 3000 „verbale oder schriftliche Verwarnungen“, die von Straßenkontrolleuren oder Mitgliedern der unterdrückenden Bassidsch-Einheiten ausgesprochen wurden. 

Laut eines Regime-Funktionärs wurden alleine in Schiraz „20 Regierungsvertreter und Vertreter von Nicht-Regierungsorganen“ so wie 248 Patrouillen von diesen Einheiten unter dem Vorwand des „Kampfes gegen das Fastenbrechen“ eingesetzt.  

Laut des Kommandeurs der Sicherheitskräfte von Hamadan, Rassoul Moradi, wurden 100 Menschen von Bassidsch (paramilitärische Mobilisierungskräfte) verhaftet, weil sie nicht fasteten. Sein Vertreter erklärte, dass 700 Gruppen von Bassidsch und anderer Ordnungskräfte des Regimes „sich in Hamadan formiert haben, um Zucht und Ordnung herzustellen und gegen die vorzugehen, die in der Öffentlichkeit nicht fasten.“

Am 22. Juni wurden 29 Jungen und Mädchen im Schahriar International Hotel in Täbriz wegen ähnlicher Anschuldigungen verhaftet. Viele der Opfer waren Reisende, die nach islamischen Vorschriften vom Fasten befreit sind. 

In der ersten Woche des Ramadan verhafteten allein in Ilam Sicherheitskräfte 200 Menschen und innerhalb eines Tages wurden Urteile zum Auspeitschen verhängt. 

Der Staatsanwalt der Stadt Qazvin, Esmail Niaraki, erklärte am 23. Juni: „Diejenigen, die nicht fasten, bekommen nicht nur am Tag ihrer Verhaftung ihr Urteil, die Urteile werden auch sofort vollstreckt. Diese Maßnahmen sind ein …Dienst am obersten Führer.“

Die beispiellose Härte der Unterdrückung der Gesellschaft über dem Vorwand des Nicht- Fastens, zeigt, welch Angst das klerikale Regime im Iran vor Aufständen eines Volkes hat, welches nicht einmal die nötigsten Bedürfnisse seines Lebens und das ihrer Familien erfüllen kann. Zudem hat das Regime interne und externe Krisen, vor allem bei den Atomverhandlungen. All das zieht die Schlinge um das Regime enger.

Mullah Sediqi, der ein enger Vertrauter von Khamenei ist, drückte diese Sorge am 26. Juni in der Freitagspredigt im Bezug auf das Ergebnis der Atomverhandlungen aus. Er sagte: „Das Schicksal des Landes hängt daran. Dies ist ein gefährlicher und kritischer Wendepunkt in unserer Geschichte.”

Sekretariat des Nationalen Widerstandsrates Iran

2. Juli 2015