Wednesday, October 20, 2021
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Iran: COVID-19 verheerende multidimensionale Auswirkungen. Vermeidbar?

Die Rate der Todesfälle durch Covid-19 im Iran steigt rasch. Das Land wird vom Tod heimgesucht. Diese Tragödie war vorauszusehen. Abgesehen von der hohen Mortalität hat der Covid-19 Ausbruch verheerende psychologische und wirtschaftliche Auswirkungen auf das Leben der Menschen.
„Seit dem Beginn der Ausbreitung des Coronavirus im Iran sind zwanzig Monate vergangen und nach der offiziellen Statistik der Wohlfahrtsorganisation hat das Coronavirus 51 000 Kinder zu Waisen gemacht, die Zahl der Haushalte mit weiblichem Oberhaupt um 30 000 erhöht und 612 000 Familien unter die Armutslinie fallen lassen, was zu einem Anwachsen häuslicher Gewalt um 25 Prozent geführt hat“, schreibt die staatliche Tageszeitung Jahan-e Sanat („Welt der Industrie“) vom 20. September.
Ein Bericht, der vor kurzem vom Ministerium für Genossenschaften, Arbeit und soziale Wohlfahrt veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass die Ausgaben für den Lebensunterhalt und die Gesundheit in den Familien im August wiederum gestiegen sind bei steigender Inflationsrate.
„Dies ist das erste Mal, dass die Kosten für eine Behandlung so stark angewachsen sind zugleich mit den Kosten für Miete und Transport. Weil seit dem letzten Jahr die Versicherungsunternehmen einen geringeren Teil der Behandlungskosten übernehmen, müssen die Menschen 40 % dieser Behandlungskosten aus der eigenen Tasche bezahlen. Laut Iraj Harichi haben sich diese statistischen Zahlen in diesem Jahr noch verschlimmert und das hat wiederum die Armut vergrößert“, schreibt Jahan-e Sanat dazu.
Ferner haben viele Familien, die unter die Armutslinie gestoßen wurden, ihre Brotverdiener verloren. „Laut dem stellvertretenden Minister für soziale Wohlfahrt: Alle zwölf Sekunden wird ein Kind durch das Coronavirus zum Waisen. Es wird geschätzt, dass im Iran 51 000 Kinder durch das Coronavirus ihre Eltern verloren haben“, schrieb Jahan-e Sanat dazu.
Demgegenüber gab Mostafa Eghlima, ein Sozialexperte, gegenüber Jahan-e Sanat an: „Die statistischen Zahlen, die vor kurzem von der Wohlfahrtsorganisation über die Kinder bekannt gegeben wurden, die wegen des Covid-19 Ausbruchs zu Waisen wurden, sind inkorrekt, weil die [offizielle] Zahl der Todesfälle durch Covid-19 nicht genau ist“.
„Deshalb ist die exakte Zahl der Kinder, die durch Covid-19 verwaist wurden, viel höher, als dort behauptet wurde. Wahrscheinlich sind 30 000 Frauen als Oberhäupter des Haushalts zur Wohlfahrt gegangen und die gleichen 30 000 Frauen haben mindestens ein oder zwei Kinder. Jedoch gibt die Wohlfahrtsorganisation nur die statistischen Zahlen bekannt und kümmert sich nicht um diese Menschen“, fügt Eghlima laut Jahan-e Sanat hinzu.
Mehr als 400 000 Coronavirus Tote im Iran

Covid-19 und die Selbstmordrate

Unter dem Mullah Regime ist die Selbstmordrate im Iran von Jahr zu Jahr gestiegen. Laut einem Mitglied des Vorstandes der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Selbstmord Prävention im Iran: „Die durchschnittliche Selbstmordrate beträgt etwa 7,02 Prozent je 100 000 Menschen, aber in einigen Provinzen haben wir etwa 10, 15 oder sogar 20 Prozent je 100 000 Menschen, was eine besorgniserregende Zunahme zeigt“.
Berichte aus dem Iran deuten darauf hin, dass die Selbstmordrate wegen des Covid-19 Ausbruchs und der sich daraus ergebenden Armut gestiegen ist.
Die Selbstmordrate unter iranischen Krankenschwestern und Leute mit medizinischen Berufen nimmt rasch zu und immer mehr frustrierte Gesundheitsexperten bringen ihren Wunsch, Selbstmord zu begehen, zum Ausdruck.
Das Regime weigert sich, die Gehälter für das medizinische Fachpersonal und die Krankenschwestern zu erhöhen und die Auszahlung ihrer Bezüge verzögert sich monatelang. Wegen der inhumanen Covid-19 Politik des Regimes, darunter seine Weigerung, die beschädigte Infrastruktur für die Gesundheit zu stärken, Impfstoffe und andere wichtige Medikamente und Ausrüstung zu importieren, arbeiten Krankenschwestern und Ärzte hart, um den Patienten zu helfen. Deshalb sind iranische Ärzte und Krankenschwestern frustriert.
„Mit den aufeinander folgenden Covid-19 Wellen hat die Infrastruktur des Gesundheitssystems des Landes einen Punkt erreicht, wo alles zusammenbricht“, schrieb die staatliche Tageszeitung Mostaghel („Die Unabhängige“) am Sonntag, dem 8. August 2021.

„38 % der Krankenschwestern leiden an mäßiger bis schwerer Depression und 37,5 % haben an Selbstmord gedacht oder waren schon bereit, Selbstmord zu begehen“, sagt Fariborz Dortaj, ein Mitglied des Zentralrates der iranischen Organisation für das psychologische System.
„Krankenschwestern mit einem Bachelor Abschluss hatten mehr Depressionen oder Suizid Gedanken als Krankenschwestern mit einem Magister Abschluss“, fügte er laut der halboffiziellen Nachrichtenagentur ISNA hinzu.
„Wegen des Covid-19 Ausbruchs und der elenden Lebensbedingungen von Krankenschwestern sind viele Krankenschwestern migriert, etwa 500 im Monat“, hatte zuvor die Sekretärin des Obersten Rates für das Krankenschwestersystem festgestellt.
Iranische Krankenschwestern: Opfer von Covid-19 und zerstörerischer Politik
In einem TV Interview (Ofogh-Horizont-Netz) von Anfang April 2020 hat IRGC Brigadegeneral Parviz Fattah, der derzeitige Chef der Stiftung für die Unterprivilegierten (Mostazafan Stiftung), eingestanden, dass IRGC Söldner in Syrien bezahlt würden.
Das monatliche Gehalt von IRGC Söldnern in Syrien beträgt laut einer Information, die das Büro des Nationalen Widerstandsrats Iran in den USA im Juli 2016 veröffentlicht hat, im Durchschnitt 1000 $ im Monat.
„Im privaten Sektor betrugen die Gehälter von Krankenschwestern 1,5 Mio. Toman plus Leistungszulage, im öffentlichen Sektor 2,5 Mio. Toman plus Leistungszulage und die durchschnittliche Leistungszulage betrug maximal 800 000 Toman“, erklärte Maryam Hazrati, die stellvertretende Ministerin im Gesundheitsministerium, in Bezug auf die Gehälter von Krankenschwestern im Februar 2019.
Der bekannt gegebene Mindestlohn iranischer Krankenschwestern betrug 2021 etwa 7,9 Mio. Toman. Wenn sie ihr Gehalt tatsächlich bekommen, sind das weniger als 250 $ im Monat auf der Grundlage eines Wechselkurses von 27 000 Toman je US Dollar auf dem freien Markt.

Auswirkungen von Covid-19 auf die Wirtschaft

Der Covid-19 Ausbruch gekoppelt mit der Korruption des Regimes und einer falschen Wirtschaftspolitik hat auch eine verheerende Wirkung auf die finanzielle Situation der Menschen.
„Laut offiziellen Berichten des Zentrums für Statistik und des Arbeitsministeriums hat der Mindestlohn in den 2010er Jahren weniger als 35 % der Kosten abgedeckt und die Leute mussten ihr Auskommen aus anderen Quellen beziehen“, schrieb die Tageszeitung Etemad („Vertrauen“) am Montag. „Das Auftreten von Covid-19 und die medizinischen Kosten dadurch, die Arbeitslosigkeit von etwa 2 Millionen Menschen im Frühjahr 2021 und der schwere Schaden im Dienstleistungssektor durch Covid-19 muss zu diesen statistischen Zahlen hinzugerechnet werden“, fügt Etemad hinzu. Und weiter heißt es in der staatlichen Tageszeitung Etemad, dass Angehörige „von Arbeitslosen unter die Armutsline geraten wegen des Coronavirus Ausbruchs“.
„Der Coronavirus Ausbruch Ende 2019 hat, außer dass er die Kosten erhöht hat, auch die Möglichkeiten der Menschen verringert, ihre Ausgaben zu bewältigen und auf das Jahreseinkommen zu gelangen. Das Verhältnis des jährlichen Mindestlohns eines Arbeiters zu den Durchschnittskosten für einen städtischen Haushalt war 2019 etwa 37,9 Prozent und erreichte 2021 35,3 Prozent“, so die Tageszeitung Etemad.

Wie die Mullahs die Wirtschaft des Iran zerstört haben

Schlussfolgerung

Die steigende Selbstmordrate, der steigende wirtschaftliche, psychische und soziale Druck auf die Menschen allgemein und besonders das medizinische Fachpersonal sind nicht nur auf den Covid-19 Ausbruch zurückzuführen. Diese Krise hätte verhindert werden können, wenn das Regime, hauptsächlich der Oberste Führer Ali Khamenei, sein finanzielles Reich genutzt hätte, um den Iranern und besonders dem medizinischen Fachpersonal zu helfen oder wenigstens die Einfuhr von Impfstoffen erlaubt hätte. Khamenei und sein Regime haben die tödliche Covid-19 Krise als Werkzeug angesehen, um die unruhige Gesellschaft im Iran zu unterdrücken. Wenn jetzt täglich immer mehr Menschen sterben, wächst der öffentliche Zorn auf Khamenei und sein Regime und versetzen sie in Schrecken. „Wenn die negativen Folgen von unpraktischen und ineffizienten Entscheidungen sich fortsetzen, in einem solchen Fall könnte die Effizienz du Legitimation des politischen Systems herausgefordert werden“, warnte die Tageszeitung Aftab-e Yazd („Die Sonne von Yazd“) am 15. September.