Wednesday, September 22, 2021
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Irans Wirtschaft, das Regime und eine unruhige Gesellschaft


In den letzten Tagen haben staatliche Medien zum Teil die Existenz von wirtschaftlichen Krisen im Iran eingeräumt und auch das Maß, in dem Amtsträger des Regimes daran beteiligt sind, dass die Wirtschaft des Iran zerstört wird.
„Im vergangenen Jahr sind die Preise von vielen wesentlichen Verbrauchsgütern um einige hundert Prozent angestiegen“, schrieb die staatliche Tageszeitung Sharq („Der Osten“) am Sonntag, dem 30. Mai 2021.
„Die neuesten Statistiken, die das Ministerium für Industrie, Bergbau und Handel veröffentlicht hat, zeigen, dass die Preise von einigen Arten von Vieh- und Geflügelfutter, Obst, Gemüse und Reis, Öl, Lebendgeflügel ebenso wie Metall im Jahr 2020 um mehr als 100 % gestiegen sind. Der Preis von 41 Gütern ist um 50 bis 100 Prozent gestiegen“, fährt der Artikel in Sharq fort.

Wie die Mullahs die Wirtschaft des Iran zerstört haben
„In seinem letzten Bericht hat das Zentrum für Statistik die Inflationsraten in verschiedenen Provinzen veröffentlicht. Laut dieser Statistik war die 12monatige Inflationsrate bis zum Mai 2021 für die Haushalte des Landes 41 %“, gab die Tageszeitung Setar-e Sobh („Der Morgenstern“) am 30. Mai zu.
„Laut den letzten globalen Entwicklungsindikatoren ist der Iran in einer sehr enttäuschenden Situation“, schrieb die staatlichen Tageszeitung Mostaghel („Die Unabhängige“) am Montag.
„Laut den letzten globalen Statistiken des vergangenen Jahrs stehen wir an 181er Stelle von 202 Ländern beim Global Governance Index [Globaler Index für die Regierungsführung]. Die strategische Bedeutung dieses Indikators für die Entwicklung des Landes wird sichtbarer während der anstehenden Wahl“, fügt der Artikel in Mostaghel hinzu.
„Irans Wirtschaft hat verschiedene Superkrisen und Herausforderungen. In der nächsten Dekade stehen wir vor vier Krisen auf der ersten Ebene: Wasserkrise, Bevölkerungskrise, Krise des Pensionsfonds und die Krise des Endes des Ölexports. Auf der zweiten Ebene haben wir eine Riesenherausforderung genannt Ungleichgewicht und die Herausforderung für das Bankensystem. Auf der dritten Ebene haben wir Herausforderungen wie ein armseliges Geschäftsklima, wachsende Ungleichheit, Jugendarbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung und [andere] Umwelt-Probleme und die wirtschaftliche Korruption“, gestand Aftab-e Yazd („Die Sonne von Yazd“) ein, die Vahid Shaghaghi zitiert, einen der Ökonomen des Regimes.
Das Parlament des Regimes ist dabei, den sogenannten Plan zu ratifizieren, der den Titel „Stärkung und Nachhaltigkeit der Organisation für Soziale Sicherheit“ trägt.
„Nach Jahren der Vorbereitung scheint es, dass die Situation so weit ist, dass mit der Hilfe der Mitglieder des Parlaments die Löhne der Arbeiter angegriffen werden“, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur ILNA am Sonntag in Bezug auf diesen Plan.

Wie iranische Behörden den Reichtum des eigenen Volkes stehlen
Laut ILNA könnte dieser Plan „das Leben von mehr als 14 Millionen Beschäftigten im Land dadurch gefährden, dass er den Mindestlohn beseitigt“.
„In diesem Plan wird der Mindestlohn als Hindernis für Beschäftigung und Unternehmertum betrachtet und es wurden Angebote gemacht, den Unternehmern zu helfen, ihren lange gehegten Traum zu verwirklichen durch die Beseitigung der Mindestlöhne“, schreibt ILNA.
„Zum Beispiel ist ein Lohn von 4 Millionen Toman absolut unzureichend und deckt kaum die Hälfte der Kosten für einen Mindestlebensstandard ab. Nach diesem Plan können Arbeitgeber nur eine oder maximal zwei Millionen Toman an ungelernte Arbeiter zahlen, deren Verhandlungsmacht in der Gemeinschaft und außerhalb des Betriebs begrenzt ist“, fügt ILNA hinzu.


„Von der Legalisierung der Kinderarbeit bis zum Zahlen von verhandelbaren Löhnen an verwundbare Arbeiter und die Beseitigung aller Pensionen gibt es angelegte Äxte und Strategien, die dazu angetan sind, protektionistische Gesetze [Schutzgesetze] anzugreifen. Mit anderen Worten haben die Autoritäten die Situation für die Profiteure und [ihre] korrumpierten [Verwandten] vorbereitet“, räumt der Artikel von ILNA ein.
„Ich weiß nicht, was sie von den Leuten wollen. Ist es nur ein Problem der Produzenten, dass die Löhne der Arbeiter hoch sind? Nein, das sind nicht die Probleme des Landes. Sehen Sie, mit dem Steigen der Löhne in diesem Jahr haben die Löhne von Arbeitern sich auf 4 $ erhöht, die 2018 bei etwa 8 $ lagen. Selbst davon könnte ein Arbeiter bei den in den Himmel schießenden Preisen nicht leben“, äußerte Ehsan Soltani, einer der Ökonomen des Regimes, am Sonntag gegenüber ILNA.
Während das Regime seine Plünderpolitik fortsetzt, wird die Gesellschaft des Iran immer explosiver. „Es gibt eine Angst vor der Zukunft, die Keime der Enttäuschung in die Herzen der Menschen sät.
Die Angst, die einen großen Teil der iranischen Gesellschaft umtreibt, hat die Menschen besorgt gemacht in Bezug auf eine unbestimmte Zukunft und sie sät langsam die Saat der Verzweiflung in ihre Herzen. Diese Verzweiflung verwandelt sich ohne Zweifel bald in unkontrollierbaren Zorn und der wird schwierig zu handhaben sein“, so die staatliche Tageszeitung Ebtekar („Die Initiative“) am Montag.