Wednesday, January 19, 2022
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„Kinder der Volksmudschahedin“ und ein historisches Urteil

Von Ehsan Eghbal

Bei der Lektüre des neuen Artikels von Luisa Hommerich auf der Website der ZEIT, derselben Journalistin, die in Teheran “Islamwissenschaften” studiert hat, stellt sich für jeden neutralen Beobachter die Frage, warum sie so viel Zeit, Energie und Aufwand in das Thema „Kinder der Mudschaheddin“ investiert hat, das Jahrzehnte zurückliegt.

Weshalb hat sie Verleumdungen wie “Sekte”, “Gehirnwäsche” und “Personenkult”, die seit Jahren nur auf den Webseiten des iranischen Geheimdienstministeriums und dessen Söldner zur Dämonisierung und Diffamierung der Volksmudschaheddin (MEK) veröffentlicht werden, wiederholt? Ist Hommerich tatsächlich eine “Reporterin” und eine “neutrale Berichterstatterin”? Sollte sich Frau Hommerich wirklich für den Iran und seine Menschen interessieren, warum erwähnt sie nicht einmal die mittlerweile mehr als 465.000 Corona-Toten? Diese wurden infolge der bewussten Politik Khameneis geopfert. Er hat absichtlich den Import von international zugelassenen Impfstoffen verboten, die Bevölkerung nicht rechtzeitig impfen lassen und somit den Tod der Menschen in Kauf genommen.

Warum widmet sie sich nicht den allgegenwärtigen extremen Repressionen und der hohen Anzahl der Hinrichtungen, die seit der Präsidentschaft Raisi‘s, dem Henker des Massakers von 1988, zugenommen haben? Welche Dynamik steckt hinter der Veröffentlichung dieses Artikels und dem Interview mit 7 anonymen Abtrünnigen der MEK?

Meiner Einschätzung nach und vor der ausführlichen Erklärung glaube ich, dass das iranische Regime in der finalen Phase seiner Regentschaft unter dem hohen Druck der Proteste der Bevölkerung und der Kampagnen der MEK und dem Nationaler Widerstandsrat Iran gegen den derzeitigen Präsidenten des Regimes so tief im Schlamassel steckt, dass ihm keine andere Wahl bleibt, als sich mit dem Thema „Kinder der Mudschaheddin“ an eine bereits demaskierte und entlarvte Reporterin zu wenden.

Aus welchem Grund beschäftigt sich Hommerich nach mehr als 30 Jahren und dem Ende des ersten Golfkrieges mit den Kindern der Volksmudschaheddin, die laut ihrer Behauptung für die „Zerstörung der familiären Bindung“ und „Stärkung des Kampfgeistes” von deren Eltern getrennt und ins Ausland verlegt wurden? Da ich persönlich sowohl im Irak, als auch in Deutschland sowie in den Camps Ashraf und Liberty war, worauf sich die Behauptungen dieser „Reporterin“ in verschiedenen Zeitspannen stützen, erzähle ich hier einen Teil meiner eigenen Erfahrungen. Davor möchte ich auf zwei Punkte hinweisen:

1. Als jemand, der bei allen im Artikel der ZEIT genannten Ereignissen bezüglich der „Kinder der Mudschaheddin“ persönlich betroffen ist, erkläre ich mich bereit, vor jedem Gericht auszusagen und zu beweisen, dass nicht nur die genannten Beschuldigungen unwahr sind, sondern auch die Autorin des Artikels sich über deren Haltlosigkeit im Klaren war.

2. Um etwas mehr über Hommerichs Handlungen zu erfahren, schlage ich vor, sich folgenden Videoclip anzuschauen: https://www.youtube.com/watch?v=oaRfJbiuDjQ. In dieser im August 2020 in Zusammenarbeit mit meinen Kollegen bei Simaye Azadi, dem Nationalen Fernsehen des Iran, produzierten und ausgestrahlten Sendung haben wir über die “dem iranischen Regime freundlichen und wohlgesonnenen Journalisten” berichtet. In den Minuten 15:40 bis 18:05 kann man einen Teil von Hommerichs Aktivitäten kennenlernen.

Beginn der Bombardierungen und Abschied von der Mutter

Am 15. Januar 1990 ging ich mit meinem Bruder, Taher, zu uns nach Hause in Ashraf, um mich von meiner Mutter zu verabschieden. Meine Mutter gab uns letzte Ratschläge und erklärte, dass sie aufgrund eines drohenden Krieges gezwungen sei, uns zu unseren Verwandten nach Frankreich zu schicken. Wenige Monate nach der Besetzung Kuwaits durch den Irak gab es aufgrund internationaler Sanktionen viele Einschränkungen im Irak, von denen wir Schulkinder in Ashraf betroffen waren, sodass wir täglich einige Stunden in Schützengräben verbringen mussten. Es war eine ungewisse Situation für uns Kinder. Ich war damals 13 Jahre alt und war mir darüber im Klaren, dass wir aufgrund dieser Lage wohl für längere Zeit – zum ersten Mal in unserem Leben – von unseren Eltern Abschied nehmen und den Irak würden verlassen müssen.

Ich wusste, dass die Volksmudschaheddin (MEK) ihren Widerstand gegen das Mullah-Regime unter allen Umständen fortsetzen würden. Gleichzeitig war mir bewusst, dass die Betreuung so vieler Kinder im Camp unter diesen gefährlichen Umständen unmöglich war und ein ernst zu nehmendes Risiko darstellte, da die MEK ein paar Monate zuvor damit begonnen hatte, so viele Kinder wie möglich außer Landes (Irak) in Sicherheit zu bringen und ich mich bereits von einigen meiner Spiel- und Klassenkameraden verabschiedet hatte, in Erwartung, demnächst an der Reihe zu sein.

Am Abend des 15. Januar 1991 und bis in die Nacht, verabschiedeten mein Bruder, Taher, und ich uns in Ashraf von unserer Mutter. Damals war ich als Teenager mehr damit beschäftigt, den Irak und das Kriegsgebiet zu verlassen und konnte den Schmerz und die Gefühle meiner Mutter nicht wirklich verstehen. In ihren letzten Ratschlägen wollte meine Mutter, dass wir in Europa die Schule und das Lernen erfolgreich fortsetzten. Wir schliefen ein und als wir morgens um 06:00 Uhr aufwachten, verstanden wir, dass der Krieg um 02:00 Uhr begonnen und wir dies verschlafen hatten. Schnell brachte uns meine Mutter in die Kanäle nahe unserem Hause, die mitunter als Schutz genutzt wurden. Später mussten wir zu unseren Klassenkameraden in die Schützengräben. Aufgrund der Bombardierungen verzögerte sich unsere Ausreise um zwei Wochen.

Reise nach Jordanien

Schließlich, Ende Januar 1991, nach dem letzten Treffen und Abschied von unseren Eltern im Camp Ashraf, stiegen wir mit einigen anderen Kindern, alle jünger als ich, in einen Bus und fuhren nach Jordanien. Die Mutter eines dieser Kinder, die meine Familie kannte, vertraute mir und meinem Bruder ihre erkältete sieben- oder achtjährige Tochter an und wir haben uns unterwegs um sie gekümmert. In dem Alter konnte ich die große Gefahr, die uns während der Reise drohte, nicht wirklich begreifen. Die Bombardements waren heftig und wir haben sie manchmal auf der Fahrt hören können. Der Bus musste an einigen Stellen sogar anhalten und wir ihn schnellstens verlassen. Da ich keine Erfahrung mit solchen Situationen hatte, erinnere ich mich, dass ich anstatt am Straßenrand Zuflucht zu suchen, versuchte, mich unter dem Bus zu verstecken! Aber unser Betreuer wies uns an, uns zum Schutz gegen die Bombenangriffe am Straßenrand zu positionieren. Nach einigen hundert Kilometern erreichten wir die jordanische Grenze. Dort verbrachten wir fast einen Tag. Wir hatten seit einigen Wochen nichts Gescheites gegessen. Viele Menschen versuchten, die Grenze zu überqueren. Da der Krieg im Irak voll im Gange war, war die Situation am Grenzübergang nicht normal. Schließlich konnten wir die jordanische Grenze mit dem gleichen Bus in der Gesellschaft von 20-25 Kindern und Jugendlichen überqueren. Zuerst fuhren wir zu einem Restaurant, aßen zu Abend und fuhren anschließend nach Amman (Hauptstadt Jordaniens) und ließen uns im Hotel Alia nieder. Nach einem kurzen, eintägigen Aufenthalt konnten wir nach Frankreich fliegen und mein Bruder und ich fuhren zu unseren Verwandten am Stadtrand von Paris. Aber viele andere Kinder, die mit uns den Irak verlassen hatten, hatten kein bestimmtes Zielland und mussten in Jordanien auf einen geeigneten Betreuer im Ausland warten. Darüber hinaus erforderte die Verlegung der Kinder aus Jordanien verschiedene rechtliche und administrative Maßnahmen, die viel Zeit in Anspruch nahmen. Aus diesem Grund unterhielt die MEK mit großem Aufwand eine große Anzahl von Kindern in einem Hotel namens “Samarkand” in Jordanien.

Viele von ihnen waren meine Spielkameraden und es war äußerst schwer für mich, in Frankreich zu leben und zu wissen, dass sie Jordanien nicht verlassen konnten. Schließlich, nach etwa einem Jahr, glaube ich, konnten alle Kinder Jordanien verlassen und in verschiedenen Ländern in Europa und Nordamerika untergebracht werden. Viele wurden dank der Bemühungen der MEK und mit enormen Kosten nach Köln verlegt und haben dort zusammengelebt. Mein Bruder und ich kamen 1993 zu unseren langjährigen Bekannten nach Deutschland. Währenddessen hielten wir durch Korrespondenz und Telefonate Kontakt mit unseren Eltern, die noch im Irak waren, obwohl die Kontaktaufnahme wegen der Belagerung Iraks sehr schwierig war. Trotzdem, sowohl wir als auch viele andere Kinder, deren Eltern sich noch im Camp Ashraf aufhielten, haben wir regelmäßigen Telefonkontakt gehalten.

In jenen Jahren versorgte die MEK jedes der Kinder mit allen Komfort- und Bildungsmöglichkeiten. Sicherlich waren die Versorgung und Pflege solch einer großen Anzahl von Kindern und Jugendlichen sehr schwierig. Aber unsere Pfleger und Betreuer haben uns mütterlich geliebt. Ich erinnere mich, dass die Zuständigen der MEK immer darauf bestanden, dass wir uns auf die Schule und das Lernen konzentrieren. Selbst ein paar Jugendliche, die etwas älter als wir und eifrig waren, für den Kampf gegen das iranische Regime nach Camp Ashraf zurückzugehen, konnten diesen Wunsch nicht durchsetzen. Sogar Frau Maryam Rajavi sagte Mitte der 1990er Jahre auf einem Fest, dass sie für uns Kinder, die mittlerweile etwas älter geworden waren, in ihrer Residenz in Auvers-sur Oise veranstaltet hatte, dass unsere Eltern zusammen mit anderen Freiheitskämpfern der Nationalen Befreiungsarmee Irans unser Land befreien würden. Unsere Aufgabe sei es jedoch, im Ausland zu studieren!

Die Wahl zum Widerstand

Ich selbst hatte jahrelang nicht die Absicht, mich der Nationalen Befreiungsarmee Irans anzuschließen. Ich genoss die mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Bildung und des Musizierens, sprach mehrere Sprachen und hatte vor, Journalismus zu studieren. Dennoch musste ich ununterbrochen an meine Heimat und die dortigen Jugendlichen denken, deren Talente von der Mullah-Diktatur verschwendet wurden sowie an die Landsleute, die tagtäglich Unterdrückung, Folter und Hinrichtung erleiden mussten. Mein Herz erfüllte sich mit tiefem Schmerz. Ich versuchte trotzdem, nicht daran zu denken und einen anderen Lebensweg einzuschlagen. Dabei wurde ich kein einziges Mal von den Verantwortlichen oder Mitgliedern der MEK gebeten, nach Camp Ashraf zu gehen. Ganz im Gegenteil, erzählten sie mir alle von den Strapazen des Widerstands. Jedoch wusste ich in meinem Innern, dass ich mich eines Tages würde entscheiden müssen zwischen dem Widerstandskampf für meine Landsleute und einem Privatleben mit all seinen Annehmlichkeiten. Auch wusste ich aus eigener Erfahrung sowie bezüglich der anderen Kinder, die mit mir in Deutschland waren, dass man niemanden zum Widerstandskampf zwingen kann. Es gab sogar Fälle von Freunden, die fest entschlossen waren, nach Ashraf zurückzukehren, was ihnen von der MEK nicht erlaubt wurde; stattdessen wurde ihnen nahegelegt, ihr Studium fortzusetzen.

Jedenfalls war ich in einem Dilemma. Lange Zeit entzog ich mich dieser Entscheidung. Schließlich entschied ich mich mit 20 Jahren, Ende 1997, für den Widerstandskampf für meine Landsleute. Ich teilte meine Entscheidung den Verantwortlichen der Volksmudschaheddin mit, worauf diese mich vor den Konsequenzen dieses Lebenswegs warnten. Mir wurde gesagt, dass die Gründung einer Familie und das Führen eines normalen Lebens mit dem Widerstandskampf in der Wüste Iraks unvereinbar sei. Ich und die anderen, die eine derartige Wahl trafen, wurden eindringlich gewarnt. Uns wurden die Gefahren, denen die MEK im Irak ausgesetzt war – z. B. Angriffe und Terroranschläge seitens des iranischen Regimes – erläutert und wir wurden gebeten, unsere Entscheidung gut zu überdenken und diese bei vollem Bewusstsein über die Risiken zu treffen. So war uns bewusst, dass im Falle einer Entscheidung für Ashraf und den Irak, uns kein befristeter Aufenthalt in einem Freizeitcamp erwarten würde. Ich sprach auch mit meinen Kameraden darüber und wir waren uns alle darüber im Klaren. Da ich fest entschlossen war, den Weg des Widerstands zu gehen, teilte ich meinen Beschluss der MEK ausdrücklich mit.

Frau Hommerichs sogenanntes Interview mit Amin Golmaryami, worauf ihr Artikel hauptsächlich fußt, suggeriert, dass der Interviewte entweder gezwungen wurde, in den Irak zurückzukehren oder es deshalb freiwillig tat, weil sich seine Brüder den Volksmudschaheddin angeschlossen hatten und er sich nichts entgehen lassen wollte. Es stellt sich jedoch die Frage, warum nicht auch andere im Ausland lebende Kinder der Volksmudschaheddin gedrängt wurden, sich der MEK im Irak anzuschließen? Ist es überhaupt möglich, einem anderen Menschen einen Widerstandskampf mit all seinen Strapazen und Konsequenzen aufzuoktroyieren?

Jeder, der nur einen Tag hingebungsvoll mit der MEK im Widerstand gegen das iranische Regime verbracht hat, kann bezeugen, dass dies nur mit stetiger Opferbereitschaft möglich ist. Jeder Einzelne von uns hat sich für ein Ideal entschieden, das darin besteht, sein Volk aus den Klauen des klerikalen Regimes zu befreien. Das heißt, wir akzeptierten ohne Vorbedingungen diesen Weg mit all seinen Risiken. Des Weiteren traf ich vor meiner Abreise aus Deutschland Herrn Rechtsanwalt Christoph Meertens, der meinen Abreisewunsch aus meinem Munde hören wollte. Ich habe mit ihm darüber gesprochen und alle Zweifel beseitigt.

Somit reiste ich im Jahre 1997 in den Irak und bin seitdem ein stolzes Mitglied der Volksmudschaheddin. Ich und die anderen Mitglieder haben im Laufe der Zeit durch die Absolvierung von zahlreichen Ausbildungen und Trainings vor Ort, unser Wissen erweitert und unsere Entschlossenheit zur Fortsetzung des Widerstandskampfes gefestigt. Trotzdem wurden wir von der Führung der MEK wiederholt vor die Wahl gestellt – und es gibt zahlreiche Belege dafür – zu bleiben oder zu gehen, falls wir uns ein anderes Leben wünschten. Mit der Begründung, dass Camp Ashraf das Land des Widerstandskampfes sei und nur diejenigen es bei den Volksmudschaheddin würden aushalten können, die für ihre Kameraden zu Opfern bereit und selbstlos seien, d. h. aus freien Stücken dablieben. Nun, ich hatte meine Wahl schon bewusst getroffen und wollte mein persönliches Leben – etwa eine Familie zu gründen – dafür aufgeben, für die Freiheit meines Volkes zu kämpfen. Ich begriff den Preis dieser Wahl, obwohl ich nach mehr als 20 Jahren zugeben muss, nicht alle Facetten der Intrigen vorhergesehen zu haben, die das iranische Regime gegen die MEK gesponnen hat, um ihre Mitglieder physisch zu eliminieren oder sie von ihrem Widerstandskampf abzubringen.

Doch jetzt bin ich mit vielen Beispielen konfrontiert worden und habe sie selbst gespürt. Diese gehen so weit, dass sogenannte Journalisten im Dienste des iranischen Geheimdienstministeriums (MOIS) behaupten, wir würden wie im Gefängnis leben und die MEK würde uns mit Gewalt in Ashraf festhalten. In meinen Augen sind solche Anschuldigungen kriminell und eine Beleidigung unserer Willensfreiheit. Meine Kameraden und ich haben unsere Wahl, in Ashraf zu bleiben, im Laufe der Jahre wiederholt bekräftigt. Wir kämpfen gegen ein Regime, das für die Auslöschung seiner Gegner keine Anstrengungen und Ausgaben scheut. Ein Beispiel dafür ist das vereitelte Bombenattentat auf die Jahresversammlung des Nationalen Widerstandsrats Iran im Jahre 2018 in Villepinte bei Paris, dass durch einen Diplomaten des iranischen Regimes namens Assadollah Assadi geplant und gelenkt wurde. Ich selbst sowie rd. 100.000 Sympathisanten des iranischen Widerstands zusammen mit zahlreichen politischen Persönlichkeiten aus aller Welt nahmen an dieser Kundgebung teil und hätten zu Opfern werden können.

Gehirnwäsche

Hommerich zitiert, während der Wiederholung der Dämonisierungs- Diffamierungskampagne des iranischen Regimes gegen die MEK, die Anschuldigung der “Gehirnwäsche” aus dem Munde eines sich vom Freiheitskampf abgewandten und dem iranischen Regime verkauften Individuums. Diese Anschuldigung ist eine Beleidigung unserer bewussten Entscheidung, welche für das iranische Geheimdienstministerium, seine Söldner und Handlanger natürlich unverständlich ist. Hommerich ist auch von der breiten Unterstützung deutscher Persönlichkeiten wie Frau Süssmuth und Bundestagsabgeordneten überrascht. Haben die MEK und der iranische Widerstand diese, zusammen mit 250 Mitgliedern des US-Kongresses (Unterzeichner der Resolution 118) und Persönlichkeiten wie der ehemalige Vizepräsident Mike Pence und der US-Außenminister Mike Pompeo und eine große Palette Abgeordneter aus verschiedenen Ländern, die unisono die demokratische Alternative des Nationalen Widerstandsrats Iran unterstützen, etwa auch “einer Gehirnwäsche unterzogen”?!

Die Frau Journalistin, die sich auch auf eine Reise mit Basij-Frauen der IRGC begab und mit ihnen Selfies machte, ist in ihrem Artikel noch weitergegangen und hat das dreimal Beten am Tag der Liste der Beschuldigungen gegen uns hinzugefügt! Kann man jemandem eine Religion oder einen Glauben aufzwingen, insbesondere in einer revolutionären Organisation wie der MEK, wo deren Frauen – obwohl sie selbst Kopftuch tragen – zu Beginn der klerikalen Herrschaft im Iran an vorderster Front der Frauenproteste das Recht auf freie Kleiderwahl verteidigten?

Es stellt sich die Frage, warum Frau Hommerich nie einen Bericht über die Gefängnisse des Mullah-Regimes, die Internierung der Mudschaheddin-Frauen in Käfigen und Wohnzellen schreibt? Leider wurden die meisten Zeugen der Wohnzellen, in denen die Schergen des iranischen Regimes die abscheulichsten Verbrechen gegen Frauen begangen haben, bereits hingerichtet. Hätte Hommerich ein Mindestmaß an Berufsethik an den Tag gelegt und an die Opfer des iranischen Regimes gedacht, hätte sie sich nie auf die erniedrigende Mission im Dienst des iranischen Regimes begeben, um derartige Verleumdungen über einen Widerstand mit 120.000 Märtyrern zu erdichten.

Interviews mit den USA, dem Irak und den Vereinten Nationen

Vor dem Beginn des Krieges im Irak, der die schwersten Bombenangriffe der Geschichte erlebt hat, machte die Führung der MEK Ende 2002 und Anfang 2003 noch einmal mit uns allen reinen Tisch, einschließlich mit Amin Golmaryami, mit dem ich einige Zeit im selben Ort verbracht habe, sowie mit jedem anonymen oder bekannten “Abtrünnigen”, den Hommerich behauptet, interviewt zu haben.

Die Lage war klar: Wir standen vor einer großen Veränderung und niemand wusste, was passieren würde und welche Prüfungen und Herausforderungen den Volksmudschaheddin bevorstünden. Wie die Mehrheit der Volksmudschaheddin, entschiede ich mich erneut dafür, den Kampf gegen das iranische Regime fortzusetzen. Wir haben ein offizielles Gesuch an die Organisation eingereicht, um bei der MEK zu bleiben. Einige wenige haben allerdings entschieden, aufgrund bevorstehender Gefahren die MEK zu verlassen. Die diesbezüglichen Dokumente liegen der MEK vor. Im Irak-Krieg, in welchem die Volksmudschaheddin Neutralität wahrten und nichts zu suchen hatten, fielen Dutzende unserer Kameraden entweder bei den US-Bombardements oder durch die Söldner des iranischen Regimes. Nach dem Krieg kamen wir alle im Camp Ashraf zusammen und haben in den folgenden neun Jahren immer wieder vor der Entscheidung gestanden, bei der MEK zu bleiben oder sie zu verlassen.

Während der Periode, in der die US-Streitkräfte für den Schutz von Camp Ashraf zuständig waren, wurde jeder von uns mehrmals durch verschiedene US-Sicherheitsdienste interviewt. Die Interviews fanden außerhalb des von der MEK verantworteten Bereich statt. In den Interviews haben die US-Behörden jeden Einzelnen von uns ermutigt, die MEK zu verlassen. Wie die Mehrheit der Mudschaheddin habe ich den US-Behörden mitgeteilt, dass ich in Camp Ashraf bleiben und meinen Kampf gegen das iranische Regime fortsetzen wolle. Natürlich waren US-Streitkräfte rund um die Uhr im Camp Ashraf präsent und jeder, der die MEK verlassen wollte, konnte dies einfach tun und sich in den von den Amerikanern kontrollierten Bereich namens “TIF” begeben. Die US-Streitkräfte waren bis 2009 in Ashraf und haben jeden von uns einmal im Jahr ohne die Anwesenheit Dritter interviewt, um sicherzustellen, dass wir uns aus freien Stücken in Ashraf befanden. Selbst die Dolmetscher dieser Interviews für diejenigen, die kein Englisch sprachen, waren Amerikaner.

In den folgenden Jahren fanden ähnliche Interviews durch die irakische Regierung, das Internationale Komitee des Roten Kreuzes, UNAMI, das UNHCR und anderer Staaten, darunter das deutsche Außenministerium, statt. Alle haben uns vor die Entscheidung gestellt, im Camp Ashraf oder Liberty zu bleiben oder die MEK zu verlassen. Die meisten dieser Interviews wurden nicht nur ohne die Anwesenheit Dritter, sondern auch außerhalb der Einrichtungen der MEK und an Orten außerhalb der Camps Ashraf oder Liberty durchgeführt, welche vollständig von den USA, der UN oder der irakischen Regierung kontrolliert wurden. Golmaryami oder jeder andere in welchem Alter auch immer, der 8 Jahre nach dem Verlassen Iraks behauptet, sich gegen seinen eigenen Willen in den Camps Ashraf oder Liberty aufgehalten zu haben, obgleich er für diese Behauptung bezahlt oder nicht bezahlt wurde, ist ein großer Schwindler und steht im Dienste des Erzfeindes des iranischen Volkes.

Alle können bezeugen, dass die MEK-Führung nach der US-Besetzung des Irak und insbesondere nach den wiederholten und tödlichen Angriffen auf die Camps Ashraf und Liberty mehrfach darauf bestand, dass jeder seines Weges geht und sein angestrebtes Leben verfolgt. Viele dieser Aufrufe wurden auch im Simaye Azadi TV ausgestrahlt. Ich habe nie erfahren, dass eine revolutionäre Organisation, die unter solch heftigem Druck, brutalen Angriffen und den Dämonisierungskampagnen steht, ihre Mitglieder so oft vor die Wahl gestellt hat, in der Organisation zu bleiben und sie zu verlassen.

In jenen Jahren kam das deutsche Außenministerium nach Camp Liberty, um diejenigen zu interviewen, die in der Vergangenheit den deutschen Flüchtlingsstatus erworben hatten. Somit wurde auch ich interviewt. In diesem Interview habe ich vorgeschlagen, wichtigere Menschen, vor allem Kranke und Patienten, bevorzugt nach Deutschland zu überstellen und erwartet, dass diesen Vorrang eingeräumt wurde und nicht erwartet, dass Deutschland mich wieder als Flüchtling aufnimmt. Schließlich gab die deutsche Regierung bekannt, dass sie 100 von uns (deutsche Flüchtlinge in den vergangenen Jahren) aufgenommen hat. Ich habe das UNHCR gebeten, statt meiner eine sich in einer akuten Lage befindenden Person nach Deutschland zu überstellen. Ich habe insbesondere verlangt, den Vorzug meiner Mutter zu geben, die am 26. Dezember 2013 bei einem Raketenangriff auf das Camp Liberty am Bein verletzt worden war und operiert werden musste. Das UNHCR hat diese Bitte abgelehnt. Wir sind schließlich im Februar 2014 von Bagdad nach Frankfurt geflogen und in Deutschland angekommen.

Mittlerweile kämpfe ich zusammen mit vielen anderen ehemaligen “Kinder der Mudschaheddin” seit mehr als 20 Jahren in den Reihen der MEK. Vom ersten Tag an, als wir uns für den Kampf gegen das iranische Regime entschieden haben, war es uns bewusst, dass wir nicht zum Spaß hierhergekommen waren. Parallel standen uns beste Bildungs- und Komfortmöglichkeiten in Deutschland zur Verfügung. Wir haben uns wegen des Widerstands gegen das iranische Regime für die MEK entschieden.

Jeder Kampf hat bestimmte Erfordernisse, vor allem Opferbereitschaft. Für mich und alle anderen „Kinder der Mudschaheddin“ wäre es äußerst einfach gewesen, in Deutschland oder anderen westlichen Ländern zu bleiben und uns weiterzubilden, ohne uns darum zu kümmern, dem Leid unseres Volkes ein Ende zu setzen.

Nun stellt sich die Frage, welche Partei zur Rechenschaft gezogen werden soll. Die Volksmudschaheddin, die für den Kampf gegen das iranische Regime alles, ihre Ehepartner, Kinder, Familien, ihr Hab und Gut geopfert haben, um ihr Volk zu befreien? Oder das klerikale Regime, dass seit seiner Machtübernahme dem iranischen Volk nichts als Zerstörung, Obdachlosigkeit und Vertreibung, Krieg und Armut beschert hat?

Damit die 120.000 Widerständler, die das Regime in den letzten vier Jahrzehnten ermordet hat, und insbesondere die 30.000 politischen Gefangenen, die im Sommer 1988 hingerichtet wurden, in Vergessenheit geraten und der Völkermord und das große Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht strafrechtlich verfolgt werden, muss die MEK, das Hauptopfer dieser Verbrechen, dämonisiert und verfolgt werden. Das Ziel der Diffamierung der MEK besteht darin, die Täter und Opfer umzukehren, damit der Henker seine Verbrechen in Sicherheit fortsetzen kann. Einen Teil dieser Aufgabe hat Frau Hommerich übernommen!
Die Geschichte wird sowohl über die MEK als auch über den im Iran herrschenden religiösen Faschismus sowie über diejenigen richten, die die blutigen Hände dieses Regimes wuschen und zur Unterdrückung des Widerstandes diesem Regime zur Hilfe eilten. Das iranische Volk wird niemals diejenigen vergessen, die ihre Hand dem iranischen Regime für die Dämonisierung der MEK und des iranischen Widerstands reichten.