Monday, November 29, 2021
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Neues iranisches Schuljahr: Ein Beispiel für steigende soziale Krisen

 

Das neue iranische Schuljahr begann am 23. September. Wie bei anderen nationalen Ereignissen auch, zeigt das neue akademische Jahr 2021, wie tief die sozialen Krisen unter dem Mullahregime im Iran geworden sind.
Das akademische Jahr begann mit Hunderten Protesten von Lehrern und Akademikern im ganzen Iran, die gegen ihre schlechten Lebensbedingungen protestierten. In Teheran und vielen anderen Städten protestierten die Lehrer vor dem Bildungsministerium und anderen Regierungsbehörden. Diese Proteste fanden nach einem landesweiten Protest am Samstag statt.
Die iranischen Lehrer protestieren gegen die destruktive Politik des Regimes, sein Scheitern bei der Umsetzung eines Beförderungssystems, welches auf den Jahren der Tätigkeit als Lehrer basiert, sowie gegen die Weigerung, die mickrigen Löhne der Lehrer auf die steigende Inflationsrate anzupassen und gegen die Weigerung, Pensionen und Löhne für Lehrer zu zahlen, die im Ruhestand sind.
Die Lehrer riefen bei ihren Demonstrationen folgende Sprechchöre:
• „Die Vertreter geben falsche Versprechen ab.“
• „Lehrer werden sterben, aber sich niemals unterwerfen“

• „Die Lehrer im Ruhestand reflektieren die Situation der arbeitenden Lehrer.“

• „Das Bildungspersonal ist aufgewacht und hat genug von den Lügen“

• „Inhaftierte Lehrer müssen freigelassen werden.“
In einer Erklärung zum neuen akademischen Jahr betonte der Koordinationsrat der iranischen Lehrer die schlechte Situation der Lehrer und erneuerte ihre Forderungen.
„Die Regierung und das Parlament haben die Pflicht, sich mit dieser Initiative zu befassen. Wenn diese Initiative angenommen und umgesetzt wird, dann wäre die Basis der Löhne für die Lehrer mindestens 80 Prozent der von Fakultätsmitgliedern. Lehrer und Mitarbeiter der Fakultätsgremien sollten die gleichen Löhne erhalten.“, heißt es in der Erklärung. Das Regime hatte immer schon seine Hände in den Taschen der Lehrer und ließ ihre Löhne auf einem niedrigen Niveau.
Die Armutsgrenze im Iran beträgt 120 Millionen Rials (rund 437$ im Monat). Doch viele Lehrer bekommen gerade einmal 35 Millionen Rial, was nur 1.300 Euro im Jahr entspricht.

Iranische Bürger können sich unter den Mullahs kein Essen leisten

„Die Glocke zum Beginn des ersten Schuljahres unter der neuen Administration läutet, während Forderungen und verzögerte Lohnzahlungen steigen und jeden Tag intensiver werden.“, schrieb am 25. September die staatliche Zeitung Etemad. Doch nicht nur die Lehrer leiden. Aufgrund der institutionalisierten Korruption im Regime ist das Leben viele Iraner zerstört worden und die Mehrheit des Volkes lebt unterhalb der Armutsgrenze. Der Mindestlohn der Arbeiter betrug 2021 nur 2,6 Millionen Tomans. Das Regime hat diese Löhne nun um 10% angehoben.
„Die Vertreter machen ständig die steigenden Löhne für die steigende Inflation verantwortlich. Der Anstieg von 10% für die Arbeiter bringt sie nicht über die Armutsgrenze von 10 Millionen Tomans“, schrieb am 21. September die staatliche Zeitung Kar-o Kargar. Die Kosten für Schreibmaterialien für die Teilnahme am Unterricht liegen bei rund 3 Millionen Tomans. Die iranischen Arbeiter verdienen im Schnitt 4 Millionen Tomans. Sie müssten also fast ihren ganzen Lohn aufwenden, nur damit die Kinder ihre Schreibmaterialien haben. Außerdem verlangt das Regime Schulgeld von ihnen.
Hinzu kommt, dass das Regime immer noch nicht entschieden hat, ob wegen der Covid-19 Pandemie nun die Klassen weiter online abgehalten werden oder ob die Schüler in die Schulen müssen. Viele iranische Schüler sind sieben Jahre alt und in den letzten Jahren gab es mehrere Selbstmorde unter ihnen, weil sie sich kein Smartphone leisten konnten, um an den Online – Kursen teilzunehmen. In den letzten Jahren haben mehrere Vertreter des Regimes in den staatlichen Medien zugeben müssen, dass sie von den Online – Klassen oder den regulären Klassen profitieren.
Mohammad Mehdi Zahedi, ein Mitglied im Bildungsausschuss im Parlament, sagte am 13. Juni 2020 gegenüber Mashreq News:“ Es gibt eine Mafia im Bildungsministerium, die ein jährliches Einkommen von 10 Trillionen Tomans hat.“
Die institutionalisierte Korruption im Regime und die Finanzierung seiner destruktiven Aktivitäten in der Region haben das Mullahregime motiviert, den nationalen Wohlstand auszuplündern und bei jeder Gelegenheit das Eigentum des Volkes auszuplündern. Diese Mafia, die in den sogenannten „Bildungsinstitutionen“ aktiv ist, steht in enger Verbindung mit den korrupten Institutionen des Regimes.
Ahmad Naderi, ein weiteres Mitglied im Bildungsausschuss des Parlamentes, sagte gegenüber den staatlichen Medien:“ Die Mafia im Bildungswesen hält an den gleichen Stichtagen für die Anmeldung für Examen fest und setzt damit meine Kollegen und mich unter einen merkwürdigen Druck. Sie haben einen Vertrag über ein Jahr und sie müssen daher das Jahr mit den Studenten beenden. Der Stichtag für dieses Jahr für das Examen ist noch nicht erreicht. Zur Zeit registriert man sich für das Examen im nächsten Jahr. So sind bereits 8 Trillionen Tomans an die Bildungsmafia geflossen. Ein Ende dieser Mafia ist die Organisation für Zulassung. Leider lässt diese Organisation Menschen illegal zu den Examen und Tests zu und nimmt Geld von den Menschen und Kindern dafür. Die Organisation für Zulassung ist also auch in der Bildungsmafia enthalten.“

Sanktionen oder Korruption in der Regierung – Was ist die Quelle der iranischen Wirtschaftsprobleme?

Ein weiteres Problem für die iranischen Lehrer, Schüler und ihre Familien ist die andauernde Covid-19 Krise. Die inhumane Covid-19 Politik des Regimes und die Weigerung zur Impfung des Volkes hat dafür gesorgt, dass viele Familien und Kinder mit der neuen Covid-19 Variante infiziert sind. Das Regime hat nun zwar damit begonnen, die Kinder und Jugendlichen zu impfen, jedoch mit den hoch kontroversen Vakzinen von Sinopharm.
Die oben erwähnten Fakten zeigen nur einen Teil der sozialen Krisen im Iran. Die Menschen leiden unter den Händen dieses Regimes. Die Krisen und die Aktionen des Regimes haben nur den Hass des Volkes auf das Regime erhöht. Die Proteste der Lehrer und von Menschen aus anderen Bereichen des Lebens demonstrieren diesen Hass auf das Regime.
Die staatliche Zeitung Arman schrieb dazu am 26. September:“ Die iranische Gesellschaft kann nicht mehr länger dieses „Try and Error“ Vorgehen (des Regimes) akzeptieren. Es werden den Menschen und den Verantwortlichen die Möglichkeiten entzogen. Wir sind heute in einer speziellen Situation, wo dringende Entscheidungen (durch das Regime) getroffen werden müssen.“