Thursday, September 23, 2021
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Pandemie und kriminelle Maßnahmen des Regimes im Persischen Jahr 1399

Am nächsten Sonntag ist der erste Tag im neuen iranischen Kalenderjahr. Die Feiern dazu nennen sich Nowruz, was als „neuer Tag“ übersetzt werden kann. Die Feiertage sollen Optimismus geben, doch obwohl das Jahr 2021 große Hoffnungen für den Einsatz eines Impfstoffes und das Endes der Coronavirus Pandemie brachte, wird das Persische Jahr 1400 weit weniger Verheißungen für die Menschen im Iran bringen.

Im Februar verbot der oberste Führer, Ali Khamenei, den Import von amerikanischem und britischen Impfstoff in den Iran und versagte damit einem der am schlimmsten betroffenen Länder quasi seine Lebensader. Die Anweisung führte auch zu dem Stopp von 150.000 Dosen eines nicht genannten amerikanischen Menschenfreundes, der bereits dafür gespendet hatte. Die Anweisung von Khamenei gehört zu den klarsten Beispielen, dass diesem Regime das Schicksal des normalen Volkes egal ist und dass Teheran den Coronavirus dazu nutzt, um einen Volksaufstand zu verhindern.

Khamenei verbietet den Import von Covid – 19 Vakzinen

Die ersten öffentlich bestätigten Fälle von Covid – 19 im Iran kamen kurz nach Protesten, die viele als den dritten landesweiten Aufstand bezeichneten. Im Januar 2020 gingen Universitätsstudenten und andere Aktivisten in mehreren Provinzen auf die Straßen, um gegen den Abschuss eines kommerziellen Flugzeuges über Teheran und die folgende Vertuschungsaktion der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) zu protestieren. Die Demonstranten zeigten einen erstaunlichen Mut gegen die Paramilitärs und das Regime, als sie Bilder des IRGC Quds Force Anführers Qassem Soleimani verbrannten, der kurz zuvor bei einem US Luftangriff getötet und danach von der Regierung und den staatlichen Medien zum Helden hochstilisiert worden war.

Wenn man bedenkt, welches Ausmaß alleine seine Tötungen und seine Brutalität hatten, dann ist der Gedanke nicht weit hergeholt, dass die selben Vertreter eine globale Gesundheitskrise dafür ausnutzen, um mit Täuschungen und Verweigerungen weitere Menschen indirekt zu töten. Das Verbot von ausländischem Impfstoff ist nur eine von mehreren Aktionen, in denen die Machthaber im Iran die Coronavirus Pandemie absichtlich schlimmer machen.

Dieser Trend begann mit einem frühen Muster der Desinformation, zu dem gehörte, die Existenz des Virus im Iran lange Zeit zu leugnen. Die erste öffentliche Bekanntmachung, dass der Virus im Land ist, kam im Februar 2020, nur wenige Tage vor den Parlamentswahlen im Land. Doch die MEK erhielt später Dokumente, die zeigen, dass die Nationale Notfallorganisation wusste, dass die ersten Coronavirusfälle bereits seit mehr als einem Monat im Land bekannt waren und dass sie vom Regime unter den Teppich gekehrt wurden.

Einer der Gründe für diese Entscheidung war, dass die Bürger durch eine öffentliche Angst vor der Krankheit nicht an den Wahlen teilnehmen, die normalerweise vom Regime als eine Art Bestätigung seiner Legitimität angesehen wird. Obwohl Präsident Hassan Rouhani tönte, dass die Regierung die Bekanntgabe der ersten Covid – 19 Toten „nicht einen Tag verzögert“ hat, beweisen die Enthüllungen der MEK, dass dies nicht der Fall war und dass Teheran die öffentlichen Erklärungen nur nicht mehr länger heraus zögern konnte, weil lokale Vertreter und andere Quellen in den betroffenen Gebieten begannen, ihre eigenen Warnungen heraus zu geben.

Nachdem der Ausbruch zugegeben werden musste, ermutigten die Vertreter weiterhin jeden Iraner, egal welchen Alters oder ob er zu einer Risikogruppe gehört, zu den Wahlen zu gehen, was zu einem großen Schaden führte. Nach der Bekanntgabe der ersten Fälle wurde zudem der 40. Jahrestag des Regimes mit Paraden und öffentlichen Demonstrationen gefeiert und da die Teilnahme für viele Angestellte des Regimes Pflicht war und es Anreize für Bürger zur Teilnahme gab, wurde dies zu einer Superspreader – Veranstaltung, welche die Todeszahlen und Infektionszahlen in eine Höhe trieb, welche weit über dem liegt, was das Regime zugibt.


Basierend auf einer intensiven Forschung von Aufzeichnungen in Krankenhäusern, Aufzeichnungen bei Bestattungen und von Augenzeugenberichten hat der NWRI die Zahl der Todesfälle nun auf über 231.800 benannt. Dies ist fast viermal so hoch, wie die offiziellen Zahlen, welche das iranischen Gesundheitsamt bekannt gibt. Die tägliche Erfahrung des Verlustes hat natürlich die Möglichkeiten von öffentlichen Unruhen limitiert. Diese Situation wurde vom Regime willkommen geheißen, wenn nicht gar fabriziert. Doch am Ende hat all dies dem iranischen Volk und seinen Widerstand nur noch einen weiteren Grund gegeben, aufzustehen und ein System zu entfernen, was für diese und viele weiteren Krisen im Land verantwortlich ist.

Weil die Pandemie weiter wütet, wird die Hoffnung auf einen „neuen Tag“ vielleicht am Start dieses Kalenderjahres verzögert. Doch die aktuellen Aufstände sind immer noch in Erinnerung und es gibt weitere Gründe für das iranische Volk und seine Unterstützer im Ausland für größeren Optimismus auf längere Sicht, als zuvor in den vier Jahrzehnten der Tyrannei des Regimes.