Saturday, December 4, 2021
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Proteste in Sistan und Belutschistan im Iran: Überblick und Ursprünge


Am Montag sind in Saravan, Provinz Sistan und Belutschistan im Südosten des Iran, nach einem Massaker an Treibstoffträgern durch die Revolutionären Garden (IRGC) Proteste ausgebrochen. Während diese Proteste weitergehen und sich in andere Städte ausgebreitet haben, ist es notwendig, einen allgemeinen Überblick zu gewinnen und die Ursprünge dieser Erhebung kennenzulernen.

Nachdem die Kräfte des IRGC auf verarmte Träger in der Gegend um Saravan eröffnet hatten, fingen am Montag Proteste nahe der Grenze zwischen Iran und Pakistan an. Erzürnte Leute in der Umgebung stürmten die Basis des IRGC und das Gouverneursbüro. Diese Proteste dehnten sich schnell in die um Saravan herumliegenden Städte und Dörfer aus und dann auch auf andere Städte in der Provinz.

Am Montag griffen die Protestierer trotz starker Präsenz der IRGC Kräfte das Gouverneursbüro in Saravan an. Die Sicherheitskräfte des Regimes eröffneten das Feuer auf unbewaffnete Zivilisten und töteten und verletzten Dutzende von ihnen. Dagegen zündeten die Menschen die Fahrzeuge der Sicherheitskräfte an.

Am Dienstag setzten sich die Proteste fort. Die Bewohner des Dorfes Keshtegan aus dem Bezirk Bam-Posht haben eine Kundgebung vor der Basis des IRGC abgehalten. Laut dem Iranischen Widerstand eröffneten IRGC Kräfte das Feuer auf Protestierer und töteten mehr als 40 von ihnen; etwa hundert wurden verletzt. Das Regime schloss das Internet in Saravan oder störten es, um zu verhindern, dass die Nachrichten über den Aufstand sich ausbreiteten. Es blockierte auch die Straßen zur Stadt.


Am Mittwoch strömten die Menschen im Bezirk Korin-Sarjangal der Stadt Zahedan, der Hauptstadt von Sistan und Belutschistan, auf die Straßen und nahmen die Basis des IRGC in der Region ins Visier. Nachdem sie die Zufahrtsstraße zur Basis blockiert haben, setzten sie mehrere Fahrzeuge des IRGC in Brand.

Am Donnerstag eröffneten Kräfte des Regimes das Feuer auf eine Gruppe von Protestierern in Zahedan und Hubschrauber flogen über die Stadt und versuchten, die Bevölkerung einzuschüchtern. Trotzdem machten tapfere belutschische Anwohner die Schnellstraße Jask-Chahabar unpassierbar und fuhren mit ihren Protesten fort.

Während das Regime Dutzende unbewaffnete Protestierer tötete, versuchte es, den Opfern dieser neusten Tötungen die Schuld zuzuschieben.

In einem Interview mit den staatlichen Mashreq Nachrichten erklärte Mehdi Shamsabadi, der oberste Ankläger in Sistan und Belutschistan: „Die Feinde haben getarnt als Treibstoffträger“ das Feuer auf Protestierer eröffnet. „Die Feinde [des Regimes] hatten die Absicht, die ruhige Atmosphäre der Provinz zu entflammen“, fügte er hinzu. Unterdessen zirkulieren Videos im Internet, die zeigen, dass IRGC Kräfte die Protestierer töteten.
Zornige Leute aus der Gegend stürmen das Gouverneursbüro, nach dem das IRGC Anwohner im SO Iran getötet hat

Trotz der starken Präsenz der Sicherheitskräfte des Regimes zünden am Donnerstagnacht rebellische Jugendliche das Hauptquartier des IRGC in der Landschaft Suran an.
Am 27. Februar in der Nacht nach Freitag legen Jugendliche Feuer in Distrikt-Büros in Ashar, 60 km von der Stadt Sarbaz entfernt. Anwohner in Zahedan verbarrikadierten die Straßen im „Khomeini Geviert“ am Eingang der Stadt. Zur gleichen Zeit blockierten die Menschen in Asabad in Iranshahr die Straßen mit brennenden Reifen, um das IRGC und die Staatssicherheit daran zu hindern hereinzukommen.

Samstagnacht blockierten Anwohner die Transit Schnellstraße Zahak in Zabul, um die repressiven Kräfte an der Bewegung zu hindern. Sie skandierten: „Nieder mit [dem Obersten Führer Ali] Khamenei, nieder mit dem IRGC“.
Das Regime hat Hunderte von belutschischen Jugendlichen festgenommen und seine Grenzsicherheitskräfte an den Knotenpunkten von Saravan verteilt, um Proteste zu verhindern.

Die Ursprünge der Proteste in Sistan und Belutschistan

Obwohl es in den allerletzten Jahren mehrere Proteste gegeben hat. bei denen das Regime verarmte Treibstoffträger getötet hat, liegt die tiefere Ursache dieses Mal in der Umsetzung des „Razzaq“ Plans des IRGC.

Das IRGC schmuggelt 15 Millionen Liter Treibstoff am Tag und verdient damit 6 Milliarden $ im Jahr. Trotz dieses hohen Profits plündert es auch das niedrige Einkommen der verarmten Treibstoffträger durch den „Razzaq“ Plan aus.

Entsprechend diesem Plan hat das IRGC einigen Anwohnern in Grenzstädten eine Karte ausgegeben. So hat jede fünfte Familie eine autorisierte Karte zum Passieren bekommen und muss dafür 5 Millionen Toman bezahlen. Dafür können alle diese Familien die Grenze an einem Tag einer Woche einmal mit einfachen Lastwagen die Grenze überqueren, die einen Spezialbehälter für 3000 Liter Treibstoff transportieren und diesen in Pakistan verkaufen. Laut dem Razzaq Plan sollen die Treibstofffahrer die Devisen, die sie dafür bekommen haben, an das IRGC abliefern und bekommen nur einen kleinen Anteil dafür.
Dieser Plan dient nicht nur dazu, dass das IRGC die verarmten Menschen ausplündert, sondern er erlaubt ihm auch, alle verarmten Leute zu töten, die diese Karten nicht bekommen können oder sich weigern, sich der Erpressung des IRGC zu unterwerfen.
Am Montag begannen die Proteste zuerst, als eine Gruppe von Treibstoffträgern sich aus Protest gegen diesen Plan versammelte und die IRGC Kräfte das Feuer auf sie eröffnete.
Im ganzen Iran brachten die Menschen ihre Solidarität mit den aufständischen Menschen in Sistan und Belutschistan zum Ausdruck. Deshalb haben der Aufstand und die nationale Einheit die Führer des Regimes in Schrecken versetzt.

„Wir sind jetzt in einer Atmosphäre, wo Rationalität nicht die Oberhand gewinnt, sondern Emotionen und Spannungen vorherrschen [d.h. der Hass der Bevölkerung auf das Regime], wir müssen wachsam sein. Wenn etwas Unangenehmes passiert, werden die Trockenen oder die Nassen, die Hardliner oder die Reformisten und alle Amtsträger zusammen brennen“, erklärte der Gouverneur von Sistan und Belutschistan Ahmad Ali Mohebati am Donnertag.