Saturday, December 4, 2021
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Proteste von Rentnern im Iran, ihre Ursachen und Auswirkungen auf das Regime

Ein Duzend Städte im Iran waren am Sonntag Augenzeuge von Protesten von Rentnern und Pensionären der Organisation für soziale Sicherheit im Iran. Dies ist die achte Woche in Folge, wo die Rentner landesweite Proteste abhalten, in denen sie fordern, dass ihre Pensionen an die steigende Inflationsrate und die steigenden Preise angepasst werden. Sie protestieren auch gegen Verzögerungen bei den Rentenzahlungen. Doch bisher hat sich das Regime geweigert, auf ihre Forderungen zu reagieren.

Die Rentner rufen bei den Demonstrationen: „Die bankrotte Regierung ist der Feind der Pensionäre“ , „Unser Land sitzt auf einem Schatz; seine Rentner leben in der Not“ und „genug mit der Unterdrückung, unsere Tische sind leer.“

Die Fortsetzung der Proteste der Rentner und ihr steigender Trend kommt trotz Versuchen des Regimes, die Pensionäre durch Anrufe oder SMS einzuschüchtern, in denen sie diese auffordern, nicht an den Protesten teil zu nehmen. Doch das Regime ist darin gescheitert, die Rentner von ihren landesweiten Protesten abzuhalten.

Es muss hierbei erwähnt werden, dass es einen Sektor von „70 Millionen unzufriedenen Menschen“ in der Gesellschaft gibt, welche hinter dem Hass gegen das Regime stehen und welche dem Regime zeigen, dass es vor „Superkrisen und Bedrohungen“ steht, wie es am Sonntag die staatliche Zeitung Mostaghel schrieb.

Das iranische Regime hat bisher abgelehnt, die Pensionen an die Inflationsrate und die explodierenden Preise anzupassen. Während das Regime beklagt, dass es dafür nicht genügend wirtschaftliche Ressourcen hat, enthüllten die Revolutionsgarden (IRGC) am Montag eine neue Raketenstadt und bejubelten dabei ihre militärische Stärke.


Der Iran ist in der Tat ein reiches Land. Der Iran ist in Hinblick auf natürliche Ressourcen „das fünftgrößte Land der Welt. Zu den Ressourcen zählen Öl, Gas, Kohle, Holz, Silber, Kupfer, Uran, Roheisen und Phosphate. Der Iran hat ein Prozent der Weltbevölkerung und mehr als 7% der Mineralien in der Welt“, schreibt am 7. Februar 2019 die Webseite des Parlamentes des Regimes.

Dennoch leben die Menschen in Armut, während das Regime Raketen baut und Terrorismus unterstützt. Vor dem kommenden Nowruz, dem neuen iranischen Jahr im März, „lässt ein Besuch auf dem Früchtemarkt die Tränen in die Augen steigen und überall sieht man Menschen, die sich eine einzelne Frucht kaufen“, schreibt am Sonntag die staatliche Nachrichtenagentur Tejarat.

Die Menschen stehen in langen Schlangen, um Geflügelfleisch zu kaufen, weil die zum Regime gehörende Mafia die täglichen Bedürfnisse des Volkes lieber exportiert, wozu auch Geflügel zählt. „Der tägliche Bedarf an Hühnern in Teheran beträgt 1000 Tonnen, doch es werden nur 200 Tonnen verteilt“, schreibt am Sonntag die staatliche Nachrichtenagentur Arman-e Eghtesadi.

Am Sonntag hatte der sogenannte Oberste Rat der Arbeiter die Löhne der Arbeiter erhöht. Der Mindestlohn beträgt nun 2,6 Millionen Tomans. Dieser geringe Anstieg hat keinen Effekt, weil „es eine Inflationsrate von 50% gibt und die Armutsgrenze nun bei 10 Millionen Tomans liegt“, wie die staatliche Zeitung Keyhan am 4. März schreibt.

Der Anstieg des Mindestlohns und sein Feiern ist nur eine weitere Täuschungsaktion der herrschenden Theokratie. Laut der oben erwähnten Statistiken beträgt die Erhöhung des Mindestlohns in Bezug auf die steigende Inflation einen Rückgang um mehr als 11%. Die Pensionen und Renten sind mehr als 24 Prozent gesunken und diese Zahlen beinhalten noch nicht einmal die neue Inflationsrate im neuen Persischen Jahr.

Die Inflationsraten sind ein Ergebnis der falschen Wirtschaftspolitik des Regimes.
„Die Inflation ist eines der größten und fundamentalsten Probleme, welche die iranische Wirtschaft seit 40 Jahren plagen. Der wichtigste strukturelle Faktor der Inflation im Iran ist das Budgetdefizit der Regierung Ohne die Coronavirus – Krise hätte das Defizit nach Schätzungen 130.000 Milliarden Tomans betragen. Das Drucken von Geldnoten wurde ausgesetzt, dies erhöht die monetäre Basis und Liquidität und hat ultimativ einen inflationären Effekt.“, schrieb am Samstag die staatliche Zeitung Arman.

Darum rufen die Rentner während ihrer Proteste „genug der Unterdrückung“. Die fortgesetzten Proteste im Iran intensivieren sich und dies versetzt das Regime und seine Vertreter in Angst.

„Meiner Meinung nach sollten wir vor diesen Menschen Angst haben, denn eines Tages könnten sie erschöpft sein. Dann werden Handlungen nutzlos sein. Heute machen sich die Menschen Sorgen über die Zukunft der Gesellschaft und ihr Leben, weil die Gesellschaft am Rande einer großen Krise steht. Wenn sich diese Krise verschärft und die Herrscher ihr nicht zuhören, dann hören die Menschen den Stimmen der Demonstranten zu und dies kann das Ende der Geduld der Menschen bedeuten. Wenn es nicht bald einen Wandel im Iran gibt, dann wird der mentale Status der Gesellschaft bald noch gefährlicher werden.“, sagte am Montag Saied Moidfar, ein Soziologe, bei einem Interview mit der staatlichen Jahan-e Sanat.