Sunday, January 23, 2022
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Exklusivinterview mit Botschafter Robert Joseph über Terroranschlag von 2018 in Paris

Am Dienstag begannen in einem belgischen Berufungsgericht die Anhörungen von drei iranischen Agenten, die an dem vereitelten Bombenanschlag auf die Versammlung der iranischen Opposition 2018 in Frankreich beteiligt waren. Der Anführer dieses terroristischen Rings, Assadollah Assadi, ein hochrangiger Diplomat, wurde bereits rechtskräftig verurteilt.
An der Versammlung „Freier Iran“ in 2018 nahmen Hunderte renommierte westliche Politiker sowie über 100.000 Iraner aus aller Welt teil.
Der Anschlag wurde verhindert und die iranischen Agenten verhaftet. Doch es gibt weiterhin große Sorgen über das Terror- und Spionagenetzwerk des iranischen Regimes. In einem exklusives Interview spricht Botschafter Robert Joseph, der 2018 zu den Teilnehmern der Veranstaltung gehörte, ober seine Erfahrungen an diesem Tag. Er war auch einer der Zeugen bei der Verhandlung über den verteilten Terroranschlag von 2018.

Frage: Sie waren bei der Versammlung „Freier Iran“ anwesend. Bitte lassen sie uns teilhaben, was sie an diesem Tag erlebt haben,

Botschafter Robert Joseph: Wie ich bereits bei meiner Aussage vor dem belgischen Gericht gesagt habe, erinnere ich mich noch an die riesige Ausstellungshalle mit einem großen VIP Bereich. Ich saß dort zusammen mit Hunderten Abgeordneten aus aller Welt, mit renommierten Menschenrechtsaktivisten und anderen ehrenwerten Gästen aus verschiedenen professionellen Feldern. Das Hauptziel des Anschlages war sicher Frau Rajavi, die Leiterin des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI), welche die Veranstaltung leitete. Ich saß zusammen mit anderen nahe bei Frau Rajavi und Tausende andere Teilnehmer waren nahe der VIP Sektion. Die Opferzahlen bei diesem Anschlag wären katastrophal hoch gewesen und es wären sicher Hunderte, wenn nicht gar mehr, gewesen.
Ich habe in meiner Aussage vor Gericht auch deutlich gemacht, dass das kriminelle Ziel, die Anführerin einer demokratischen Opposition zu töten, ein schreckliches Verbrechen ist, dass keine zivilisierte Regierung tolerieren darf. Wenn die Anführer einer freien Gesellschaft darin scheitern, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, was in diesem Fall das iranische Regime ist, dann werden sie nur zu weiteren Angriffen motiviert und dann sind wir ihre Komplizen.

Frage: Welche Erwartungen hatten sie an die EU nach der Verurteilung von Assadi?

Botschafter Robert Joseph: Eine angemessene Reaktion der EU und der USA hätte nach diesem feigen Anschlag von Assadi und seinen Komplizen auf Geheiß des iranischen Regimes erfolgen müssen.
Erstens hatte das Gericht befunden, dass es ein Akt des Staatsterrorismus war, den das iranische Regime angeordnet hatte. Assadi, der Hauptangeklagte, war ein hochrangiger Vertreter des Geheimdienstministeriums und agierte in der iranischen Botschaft in Wien als Diplomat.

Zweitens agierte Assadi nicht alleine. Er war kein Agent, der seine Kompetenzen überschritten hatte. Er stand im regulären Kontakt mit hochrangigen Vertretern in Teheran, bekam seine Anweisungen direkt von dort. Er war persönlich im Besitz der Bombe und transportierte sie in einem kommerziellen Flugzeug aus Teheran nach Europa. Die Bombe war professional hergestellt wurden, um maximalen Schaden anzurichten, maximale Todeszahlen und maximale Zerstörung bei der Versammlung in Paris zu erzeugen.
Drittens, Assadi agierte als Diplomat, was sein Deckmantel für die kriminellen Aktivitäten rund um die Organisation eines Netzwerks von Agenten in Europa war und dafür nutzte er seine Position in der Botschaft. Ohne Frage wusste das Außenministerium des Iran von seinen Tätigkeiten und war daher ebenfalls Komplize in diesem Terrorakt.
Die EU und die USA sollten auf dieser Grundlage entschlossen handeln. Sie sollten wissen, dass weitere Konzessionen an dieses Regime nur weitere Ungerechtigkeiten für das iranische Volk und weitere kriminelle und terroristische Akte bedeuten. Insbesondere die EU sollte eine entschlossene Politik beginnen, dazu gehört die Terrorlistung des MOIS und der IRGC als terroristische Einrichtungen. Allen Agenten des Regimes in Europa muss die rechtliche Basis entzogen werden und die diplomatischen Beziehungen sollen so lange drastisch reduziert werden, so lange das Regime nicht belegt, dass es seine terroristischen Aktivitäten einstellt.
Für die Biden Administration sollte die Verurteilung von Assadi und seiner Komplizen ein großes Gewicht bei der Bewertung der Iran – Politik spielen. Dieser Akt des Staatsterrorismus sollte einen wichtigen Effekt haben. Er sollte die Beschwichtigungspolitik der Vergangenheit beenden.

Frage: Die drei Komplizen von Assadi gingen in Berufung, aber Assadi nicht. Warum?

Botschafter Robert Joseph: Ich denke, es war eine Entscheidung des Regimes, nicht die Wahl von Assadi. Mit dieser Entscheidung hat das Regime anerkannt, dass Assadi schuldig ist und dass es selbst eine Rolle bei diesem Verbrechen spielte. Das Regime hofft damit, dass es weitere internationale Aufmerksamkeit in dem Fall vermeidet und seine Rolle in der Finanzierung und Ausführung von Terrorakten vertuscht. Das Regime weiß, dass Assadi Fall bei einer Berufung nichts weiter erreichen wird, als dass der Fall noch mehr Aufmerksamkeit erlangt und der Terrorismus des Regimes im Allgemeinen mehr in den Fokus rückt.

Frage: Normalerweise nutzt das Regime Söldnergruppe für seine Terrorakte. Warum hat es diesmal direkt einen Diplomaten eingesetzt? Was ist die Botschaft dahinter?

Botschafter Robert Joseph:“ Das ist richtig. Oft nutzt das Regime finanzierte Gruppe, welche die Drecksarbeit bei terroristischen Aktivitäten erledigen. Es war das erste Mal, dass ein offizieller Vertreter des Regimes ertappt und wegen staatlichem Terrorismus verurteilt wurde. Dieser absurde Akt zeigt die Verzweiflung des Regimes, welches alle Legitimität und Glaubhaftigkeit im Volk verloren hat. Dieses Regime hat Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und mehr als 100.000 seiner Bürger von den 80er Jahren bis jetzt hinrichten und ermorden lassen. Dieses Regime besteht aus institutionalisierter Korruption, ausländischer Aggression, der Unterstützung von Diktatoren wie Assad in Syrien und ist der Finanzier von Terrorgruppen. Diese religiöse Diktatur hat den Wohlstand des iranischen Volkes ausgeplündert und diese großartige Nation in einen Pariastaat verwandelt, einen Staat, der nun nachweislich an direkten Terrorakten in Europa und in aller Welt beteiligt ist.
Die Mullahs haben alle Legitimität verloren. Das iranische Volk und seine führende Oppositionsgruppe, die Mojahedin-e-Khalq (MEK), sind nun die größte Bedrohung für das Regime. Die Massentötungen im Iran und die terroristischen Aktivitäten des Regimes im Ausland sind Akte der Verzweiflung. Sie wählen ihren Diplomaten aus, damit er einen verheerenden Terrorakt gegen Maryam Rajavi und die Freier Iran Versammlung ausübt. All das zeigt seine Verzweiflung mehr als deutlich.