Friday, July 23, 2021
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Staatliche iranische Medien: Wachsende Wut der Menschen


Der Iran und die Iraner leiden unter verschiedenen wirtschaftlichen, sozialen und die Umwelt betreffenden Krisen. Jetzt, da sich die Krisen im Iran vertiefen, nimmt der Hass der Menschen gegen das Regime wegen seiner Rolle bei den Verheerungen ihres Lebens zu. Eine der wirtschaftlichen Krisenerscheinungen ist die ungebremste Arbeitslosigkeit.
„In den nächsten fünf Jahren wird die Kennzahl der aktiven Bevölkerung im Land 29 Millionen erreichen. Wenn man die Zahl der unbeständigen Jobs berücksichtigt, so bedeutet es, wenn nicht eine Million Jobs jährlich geschaffen werden, dass das Land mit einer Armee von ausgebildeten, aber arbeitslosen Menschen konfrontiert sein wird“, schreibt die staatliche Tageszeitung Farhikhtegan vom Sonntag.
Farhikhtegan fügt hinzu: „Laut dem Zentrum für Statistik des Iran hatten im Winter 2020 von 2 Millionen 478 Tausend arbeitslosen Menschen im Land etwa 961 Tausend oder 39 % aller Arbeitslosen im Land höhere Bildungsabschlüsse“.
„Laut dieser Statistik ist die Zahl der Arbeitslosen im Land von 2,8 Millionen 2011 auf 3,2 Millionen 2018 angewachsen, 2,9 Millionen waren es Ende 2019 und 2,5 Millionen am Ende des Winters 2020“, schreibt Farhikhtegan.

Hoher Amtsträger gibt hohes Niveau der Armut im Iran zu

Farhikhtegan schließt damit, dass im Iran unter dem Mullah Regime „40 % der Arbeitslosen einen Universitätsabschluss haben. 71 % der ausgebildeten Frauen sind arbeitslos“.
Viele ausgebildeten Iraner sind entweder arbeitslos oder sie arbeiten als Saison- oder Vertrags-Arbeiter. Derweil können die iranischen Arbeiter nicht über die Runden kommen wegen der hohen Inflation und den in die Höhe schießenden Preisen.
„Das Leben der Arbeiter und Angestellten bricht zusammen wegen der ungezügelten Inflation, wegen ihrer Löhne, die in Rial um ein Mehrfaches geringer sind als die Armutslinie, und wegen der in den Himmel schießenden Preisen der Waren in Dollar“, schreibt die staatliche Kar-o- Kargar vom Sonntag.
„Die Familien können die kletternden Lebenshaltungskosten nicht aufbringen. Täglich nimmt die Zahl der arbeitenden Kinder zu. Laut den Beamten im Wohlfahrtsbereich gibt es allein in Teheran 4500 arbeitende Kinder“, fügt Kar-o- Kargar hinzu.
Das Regime und seine Apologeten versuchen, die Sanktionen für alle Härten des Iran verantwortlich zu machen. Aber das entspricht bei weitem nicht der Realität.
„Wir dürfen nicht vergessen, dass die Wurzel der Proteste der Menschen gegen die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Landes auf die Aktionen korrupter Amtsträger zurückgeht. Diese Amtsträger… haben den nationalen Wohlstand ausgeplündert und die Menschen misstrauisch gegenüber den Maßnahmen des Systems gemacht“, schreibt die staatliche Tageszeitung Arman vom Sonntag.
Aufstände im Südosten des Iran und die Proteste der Rentner zeigen die Unruhe in der Gesellschaft

Die Tageszeitung Sharq vom Sonntag unterstreicht auch: „Die Krisen werden intensiver, Lösungen gibt es nur wenige und sie sind unklar. Die Sackgassen in allen Richtungen sind offensichtlich“.
Eben deshalb warnt Hamdeli: „Die Mauer des Zorns ist Stein für Stein aufgerichtet”.
„Viele haben die Ersparnisse ihres Lebens bei der Börsenkrise verloren. Dieser wirtschaftliche Fehlschlag in solchem Maßstab erzeugt Ärger. Die ausgeplünderten Investoren sind zornig, weil offizielle Vorgehensweisen verursacht haben, dass sie ihr Kapital verloren haben“, schreibt Hamdeli und bezieht sich dabei auf die Irans Börsenkrise, bei der das Regime Millionen Iraner ausgeplündert hat.
„Das Fehlen von Verbesserungen und das Weiter so und neue Arrangements zur Kompensierung oder zur Verringerung des wirtschaftlichen Fehlschlags von der Seite der Amtsträger verstärkt nur den Ärger der Leute. Die Unterdrückung dieser ausgeplünderten Menschen wie bei dem, was bei den letzten Protesten geschah, verstärkt auch den Ärger in der Bevölkerung“, ergänzt Hamdeli.
„Stellen Sie sich Arbeiter und Angestellte vor, die mit ihrem geringen Einkommen unzufrieden sind. Allein diese niedrigen Einkommen entgegen ihren unveräußerlichen Rechten erzeugen Wut. Wenn sie aber angesichts ihrer Forderungen die Antwort „Friss oder Stirb!“ bekommen, verstärkt sich ihre Wut. Wenn die vorhandenen legalen Mechanismen diesem Teil der Forderungen nicht gerecht werden, so ist das so, als ob ein weiterer Ziegelstein auf die Mauer des Zorns gelegt wird“, warnt Hamdeli die Amtsträger des Regimes.
Weiter unten in dem Artikel geht Hamdeli auf die Furcht des Regimes vor einem nächsten Aufstand wie dem im November 2019 nach der Erhöhung der Treibstoffpreise und wie den landesweiten Protesten im Januar 2020 ein, nachdem das Regime ein ukrainisches Passagierflugzeug abgeschossen hatte. Hamdeli warnt, dass je mehr Zeit vergeht, „desto mehr wird wieder die gleiche Wut entstehen und das wird die gleiche Gesellschaft in Zorn eintauchen“ gegenüber dem Regime.