Wednesday, December 2, 2020
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Staatliche Medien im Iran: Wie sehr verschlimmerte das Missmanagement des Regimes die COVID-19 Krise?

Am Montag gab Teheran die höchste Zahl an Todesfällen durch COVID-19 seit dem Ausbruch des Virus im Iran bekannt. Während diese Zahl der Todesopfer wegen des Coronavirus steigt, räumen staatliche Medien ein, wie sehr die Untätigkeit und das Missmanagement die Krise verschlimmert hat.

Die Organisation der Volksmudschahedin des Iran (PMOI/MEK) gab am Dienstag bekannt, dass die Zahl der Todesopfer im ganzen Iran die 128 000 überschritten  hat.

Seit dem Beginn des Ausbruchs des Coronavirus hat das Mullah Regime eine kriminelle Politik der Vertuschung und Untätigkeit betrieben. Während viele der in der Gesundheitsverwaltung des Regimes Tätigen vor der kritischen Situation im Iran und vor der schnellen Ausbreitung des Virus  gewarnt haben, lehnte das Regime einen Shutdown im Lande ab. Da die Zahl der Toten durch COVID-19 beständig steigt, erkennen staatliche Medien das Ausmaß der Katastrophe an.

„Mitglieder des Gesundheitssystems und der medizinischen Gemeinschaft geben, abgesehen davon, dass sie die Menschen dazu einladen, sich an Hygieneregeln zu halten, immer wieder bekannt, dass der beste Weg, die Übertragungskette des Coronavirus zu unterbrechen, eine Schließung der Städte in kritischer Situation und die Auferlegung strikter Beschränkungen ist“. (Die staatliche Vatan-e Emruz)

Statt den Menschen zu helfen, hat das Mullah Regime die Wirtschaft und die Schulen wieder geöffnet und das Abhalten von Versammlungen und Trauerzeremonien  sowie von Eingangsprüfungen an den Universitäten erlaubt. Als die Verbreitung des Virus und die ganze Situation aus der Kontrolle geriet, hat das Regime entweder die Menschen beschuldigt, sie hielten sich nicht an die Hygieneregeln, oder die internationalen Sanktionen verantwortlich gemacht. Der wirkliche Grund ist jedoch kein anderer als das Missmanagement der Mullahs.

„Aber die Regierung hat mit der Schaffung des Paradoxes ‚Leben und Brot‘ [gemeint ist wohl das Dilemma: Leben erhalten oder Brot beschaffen] in der Gesellschaft die Auffassung verbreitet, dass es keinen anderen Weg gebe als die Wiedereröffnung. Praktisch machte die Regierung jedoch die Normalisierung zu ihrer zentralen Politik, zugleich mit ein paar Beschränkungen. Aber trotz des Bestehens der Regierung auf die Schaffung eines Gleichgewichts von Lebensunterhalt und Gesundheit werden wir Zeuge eines Rückschrittes in beiden Kategorien. Mit anderen Worten: die Regierung war bislang nicht erfolgreich in den Feldern der Wirtschaft oder der Gesundheit. Die Balance und das Verhältnis von Lebensunterhalt und Gesundheit sind in den letzten Monaten gestört.“ schrieb Vatan-e Emruz am Dienstag.

Der Unterschied zwischen den Formen der COVID-19 Ausbrüche im Iran und in anderen Ländern

Seit die globale Pandemie angefangen hat, sind viele Regierungen ihren Bürgern zu Hilfe geeilt. Anders als in anderen Ländern hat im Iran das Regime monatelang die Existenz von COVID-19 geleugnet. Als es das Vorhandensein des Virus bekanntgab, versuchte das Regime, diese Krise  herunterzuspielen. Die Amtsträger an der Spitze in Teheran wie der Oberste Führer Ali Khamenei und Präsident Hassan Rohani nannten dieses Virus sogar einen „Test“ und einen „Segen“.

Khamenei tut das Coronavirus als nicht so große Sache ab, und nennt es sogar einen Segen

Dazu schrieb die staatliche Tageszeitung Ebtekar am Dienstag: „Der Coronavirus Ausbruch wurde wie viele andere Dinge im Iran mit mehreren Problemen in Verbindung gebracht; ein Herstellen von Verbindungen, die über das ursprüngliche Problem hinaus Sorgen bereitet. Zu den Gegenständen der Besorgnis gehören die Gleichgültigkeit und die fehlende Aufmerksamkeit bei den Institutionen, die im Land die Entscheidungen fällen, in Bezug auf menschliche und globale Erfahrungen“.

Die absichtliche Gleichgültigkeit ist Teil der Strategie der Mullahs, die unruhige Gesellschaft unter Kontrolle zu behalten, indem sie das tödliche Virus und seine hohe Mortalitätsrate dafür benutzen. Die Menschen für die Ausbreitung dieses Virus verantwortlich zu machen, ohne ein Minimum an Hygienevorkehrungen für sie zu treffen, ist ein Zeugnis für die absichtliche Untätigkeit und Gleichgültigkeit der Mullahs“.

„Es ist interessant, dass die Entscheider und Planer die volle Verantwortlichkeit der Bevölkerung zuschiebt. Es ist so, als ob sie alle ihre Pflichten erfüllt hätten in den Zeiten der Krise und mit der Ausgabe der Standardregeln die notwendigen Botschaften ausgesendet und die angemessenen Maßnahmen für das Management der Angelegenheiten getroffen hätten“, fügt die Tageszeitung Ebtekar in ihrem Artikel hinzu.

Die Bevölkerung hat mit den steigenden Preisen für die Behandlung zu kämpfen

Während das Regime den Menschen vorwirft, sich nicht an die Hygieneregeln zu halten, deuten Berichte aus dem Iran darauf hin, dass die Kosten für die Behandlung von COVID-19 Patienten zugleich mit denen für die Medikamente steigen.

Dazu  schrieb die staatliche Tageszeitung Seday-e Eslahat am Dienstag: „Hossein Ali Shahriari, der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Parlament, erklärte, dass seine Patienten Rechnungen über 54 Millionen Toman, 20 Millionen Toman und 15 Millionen Toman dafür bezahlt hätten, dass sie behandelt oder ins Krankenhaus gebracht würden wegen des Coronavirus“.

Mit anderen Worten: Während sie mit der Armut zu kämpfen haben, müssen die Menschen irgendetwas zwischen 545 $ und 1 964 $ bezahlen.

Währenddessen beträgt der durchschnittliche Lohn eines iranischen Arbeiters 69,54 $ (laut der staatlichen Website Iran Talent) und das Durchschnittsgehalt eines iranischen Angestellten beträgt nicht mehr als 196 $ (laut der staatlichen Nachrichtenagentur ISNA).

Das Ergebnis

Leider besteht das Ergebnis des Missmanagements der COVID-19 Krise durch das Regime in noch mehr Toten in der iranischen Bevölkerung. Mit anderen Worten: Dies wird zu der Unruhe in der Gesellschaft und dem Hass in der Öffentlichkeit auf das Regime beitragen. Deshalb sind das Ergebnis für das Regime  drohende Aufstände und mehr Proteste.

Dazu räumte die Tageszeitung Ebtekar am Dienstag ein, dass die Mullahs „die goldene Zeit“ für die Lösung dieser Krise verpasst hätten. Nicht die adäquaten Maßnahmen zu ergreifen, hat zu einer „Krise des öffentlichen Misstrauens“ geführt. Eine Krise, die darin besteht, dass „die Verantwortlichkeit für diese Ereignisse mehr als bei irgendjemandem sonst bei den [Amtsträgern des Regimes] liegt“. Und diese Krise besteht für das Regime in nichts anderem als in weiteren Protesten im Iran.