Monday, November 29, 2021
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Staatliche Medien und Funktionäre im Iran äußern Furcht über die unruhige Gesellschaft

Das iranische Volk leidet unter den schwersten wirtschaftlichen und sozialen Krisen der letzten hundert Jahre. Laut den staatlichen Medien verschlimmert sich diese Situation von Tag zu Tag und verwandelt die Gesellschaft in ein Pulverfass.
„Einkommensungleichheit, Inflation und jährliche Arbeitslosigkeit haben immer mehr Leute in einen Sumpf der Armut getrieben“, schrieb die Tageszeitung Setar-e Sobh („Der Morgenstern“) am 12. Oktober.
„Die Inflation ist ein schwerwiegender Grund für Armut im Iran. Anfang 2003 war die Inflationsrate nahe 40 Prozent. Die Entwertung des Landeswährung hat zu wachsender Arbeitslosigkeit geführt, die viele Iraner in Armut brachte. Die Iraner werden Zeuge von Preisen, die in den Himmel schießen. Die Preise sind von einem Wachstum um 55 Prozent auf mehr als 100 Prozent gestiegen“, ergänzt Setar-e Sobh.
Laut der Tageszeitung Setar-e Sobh „hat“ das Regime „die Inflation mit dem Drucken von Banknoten verstärkt, um das Budget Defizit auszugleichen. Das Drucken von Banknoten hat die Rate der Liquidität erhöht und weil das hohe Volumen der Liquidität viel höher war als die Produktionsrate des Landes, ist die Inflationsrate dramatisch angewachsen“.
Wegen der steigenden Inflationsrate und den in den Himmel schießenden Preisen können die Menschen kaum über die Runden kommen. Die staatliche Tageszeitung Hamdeli („Sympathie“) vom Dienstag: „Der psychische Zustand der Gesellschaft ist so ruhelos und manifestiert sich täglich in verschiedenen Formen von Gewalt“.
„Vor nur wenigen Monaten hat Ali Asadi, der stellvertretende Direktor des Amtes für psychische Gesundheit, soziale Angelegenheiten und Sucht im Gesundheitsministerium festgestellt, dass etwa 15 Millionen Menschen im Lande Störungen der psychischen Gesundheit haben. Er gab auch eine schockierende Statistik über die Zahl der Menschen bekannt, die nichts über ihre psychische Krankheit wissen. Ihm zufolge leiden 25 % der Menschen im Land unter psychischen Störungen, 60 % wissen nichts über ihre psychische Krankheit und 40 % gehen nicht zum Arzt, obwohl sie sich ihrer psychischen Störungen bewusst sind“, schrieb Hamdeli.
Siehe dazu auch:
Iran’s Rising Inflation Rate and Skyrocketing Prices and Their Effects on People
(Irans steigende Inflationsrate und die in den Himmel schießenden Preise und deren Wirkung auf die Bevölkerung)
Raisi Continues His Speech Therapy as Iran’s Economic Crises Deepen
(Raisi setzt seine Sprechtherapie fort, während sich die wirtschaftlichen Krisen im Iran vertiefen)
A Glance at Iran’s State Media: Amplifying COVID-19 and Economic Crises
(Ein Blick in Irans staatliche Medien: Die Ausbreitung von COVID-19 und die wirtschaftlichen Krisen)
„Vor kurzem hat das Iranische Wissenschaftliche Zentrum für Meinungsumfragen (ISPA) die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die zeigte, dass etwa 59 % der Bürger keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft für das Land haben. In dieser Umfrage sind 28,8 % auch davon überzeugt, dass die Situation des Landes im nächsten Jahr schlimmer sein werde“, fügt Hamdeli hinzu.
Die steigende Zahl der Selbstmorde im Iran ist ein Zeugnis für das unglückliche Leben der Menschen unter dem Mullah Regime. Die derzeitigen sozialen und wirtschaftlichen Krisen haben wirklich den Zorn der Menschen erhöht. Dies wurde am Sonntag von dem MP Mohammad Hassan Asafari bestätigt. Asafari räumte ein, dass die „Armee der arbeitslosen Jugend“ eine Bedrohung für das ganze System darstellt.
Asafari warnte: „Heute ist ein ernstes Problem, das wir haben, die arbeitslose Jugend. Ich spreche über die Jugendlichen, die studiert und exzellente Abschlüsse gemacht haben, die aber eine schwere Zeit durchmachen beim Finden von Jobs. Heute ist die Sorge in allen Familien die Arbeitslosigkeit ihrer Kinder und wenn das Parlament und die Regierung es nicht schaffen, sich dieses Problems anzunehmen, und wenn hinzukommt, dass wir es schon mit Millionen arbeitsloser Jugendlicher zu tun haben, könnte das zur größten Bedrohung in unserem Landes werden“.
In der staatlichen Tageszeitung Arman spiegelte sich die Furcht des Regimes vor einer Gegenreaktion der Bevölkerung wieder. „Die Amtsträger sollten akzeptieren, dass die Menschen im Herzen der Gesellschaft leben. Deshalb fühlen sie die existierenden Realitäten mit ihrer Haut, ihrem Fleisch und ihren Knochen und natürlich mit ihren fünf Sinnen. Sie wissen, dass sie mit der Zeit ärmer werden“, schrieb die Tageszeitung Arman.
Die staatliche Zeitung Arman unterstrich auch, dass die repressiven Maßnahmen des Regimes nicht länger die unruhige Gesellschaft kontrollieren können. „Wenn Herrscher die Gesellschaft bedrohen, werden sie selbst in Bedrohung geraten. Wenn die Herrscher [die Menschen] jagen, werden sie selbst gejagt werden“, schrieb sie.