Thursday, September 23, 2021
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Stromausfälle im Iran: Ursachen und Bedeutung

Seit einigen Tagen leiden die Iraner an Stromausfällen. Viele Städte des Landes erleben ihn in großem Ausmaß. Seit Anfang dieser Woche stören ausgedehnte, lang anhaltende und nicht angekündigte Stromausfälle das Leben des Volkes, die Fabriken, den Betrieb der Krankenhäuser und die Geschäfte; mehr als 2 000 Sendemasten wurden geschlossen.

Ein Blick auf die am Montag erschienenen staatlichen Medien zeigt, wie destruktiv sich die Stromausfälle auf den gesamten Iran auswirken.

Am Montag schrieb die staatliche Tageszeitung „Jahan-e Sanat“: „Nach Dr. Hamid Emadi, dem Leiter der Abteilung für ansteckende Krankheiten des Khomeini-Krankenhauses, quälen die Stromausfälle die an COVID-19 Erkrankten mit akuten Lungenproblemen. Es liegt daran, daß für diese Patienten die Benutzung einer Sauerstoff-Maschine zu den wichtigsten Mitteln der Behandlung gehört.“

Die staatliche Tageszeitung „Hamdeli“ schrieb: „In diesen Tagen sind Stromausfälle für das Volk zu einer neuen Herausforderung geworden; durch sie wird ihr Leben gefährdet. Wenn sie nicht zuvor angekündigt werden, bedrohen sie das Leben der Patienten.“

Alireza Vahabzadeh, Berater des Gesundheitsministers, räumte auf Twitter ein: „Wußten Sie, daß während eines Stromausfalls Leute, die an COVID-19 erkrankt sind und in ihrer Wohnung eine Sauerstoff-Maschine benötigen, nicht atmen können? Wissen Sie, was diesen Patienten geschieht, wenn der Notdienst des Krankenhauses die Sauerstoff-Generatoren nicht anschaltet?“

Und die staatliche Tageszeitung „Farhikhtegan“ schrieb am Montag: „Warum erleben wir in diesem Lande so oft Stromausfälle – in einer Situation, in der viele Geschäfte angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation von der Elektrizität abhängig sind und viele an COVID-19 Erkrankte zu Hause Sauerstoff und elektrische Sauerstoff-Generatoren brauchen und viele Schüler, die Computer und Mobiltelefone benutzen, Strom benötigen?“

Worin liegt die Ursache des gegenwärtigen Stromausfalls?

Die Spekulationen über die Frage, weshalb es in verschiedenen Städten zu ausgedehnten Stromausfällen kommt, halten an. Einige staatliche Medien räumten am Montag ein, es handle sich um das im Iran von Chinesen betriebene Bitcoin-Mining. Nach Auskunft des stellvertretenden Energie-Ministers findet Bitcoin-Mining sogar in Schulen und Moscheen statt; und es wird überall von den Bassij und vom IRGC gedeckt (?). Nach der offiziellen Statistik verbrauchen diese Anlagen so viel Strom wie eine ganze Stadt, und der Iran betreibt nach den Vereinigten Staaten und China das drittgrößte Maß an Bitcoin-Mining.

Am 9. Juli 2020 schrieb die staatliche Website „Rahe-Pardakht“: „Nach einem von der Teheraner Handelskammer veröffentlichten Bericht, der von einer chinesischen Zeitung zitiert wurde, ist der Iran gegen Ende des Jahres 2018 in betreff des Bitcoin-Mining für die Chinesen zu einem Wendepunkt geworden.“

Majid Fassihi Harandi, der Gouverneur von Rafsanjan, erklärte im Januar 2021 gegenüber Mitarbeitern der Nachrichtenagentur „IRNA“: „Die chinesische Bitcoin-Farm in Rafsanjan ist die größte Anlage zur digitalen Währungsproduktion; dort sind 54 000 Mitarbeiter angestellt.“

Und in dem Bericht der staatlichen „Tejarat-News“ von Januar 2021 heißt es: „Die Anlagen des Mining verfügen über unterschiedliche Maße des zur Transaktion benötigen Stroms und des Verbrauchs von Strom; je älter die Anlage ist, um so mehr Strom verbraucht sie. Dennoch: Eine durchschnittliche Anlage verbraucht annähernd 1,5 Kilowatt Strom in der Stunde, und im Durchschnitt benötigt eine solche Anlage Strom während aller 24 Stunden des Tages.“

Somit zeigt eine einfache Berechnung: Die 54 000 zum Mining in Rafsanjan Angestellten verbrauchen etwa 2 000 Megawatt Strom an einem Tage – ebenso viel wie die Kapazität eines E-Werks im Lande.

Die Tageszeitung „Arman“ schrieb am Montag: „Es sind zu dem Stromausfall verschiedene Erklärungen abgegeben worden; sie haben die Beschwerden, die das Volk dazu äußert, zunehmen lassen. Doch die Behörden bestätigen sie nicht. Einige nehmen an, es liege daran, daß manche Gruppen versuchen, während der Periode der Sanktionen Bitcoins abzuführen.“

Die Tageszeitung „Jahan-e Sanat“ schrieb am Montag: „Sind uns die chinesischen Brüder so teuer, daß Krankenhäuser, Universitäten, landwirtschaftliche Betriebe und hunderte anderer Arbeitsplätze durch die konstanten Stromausfälle zu Schließungen gezwungen werden? Soll zu Gunsten der Chinesen all das geschehen? Die Leute können diesen Druck und dies Unrecht nicht mehr ertragen. Die Anlagen in den Haushalten sind in Gefahr, beschädigt zu werden. Die Landwirtschaft befindet sich am Rande des Zusammenbruchs.“

Darnach fragt „Jahan-e Sanat“ die Funktionäre des Regimes: „Glaubt ihr, daß diese Leute an den Wahlen teilnehmen werden?“

Mit anderen Worten: Das Regime gefährdet das Leben seines Volkes, um die Sanktionen zu umgehen und auf diese Weise seine illegalen Tätigkeiten zu finanzieren.

Am Montag zitierte die Tageszeitung „Arman“ wie folgt den Vorsitzenden der iranisch-chinesischen Handelskammer: „Die Ausfuhr von Bitcoins durch Ausländer ist eine Form des Strom-Exports, denn die Elektrizität der Miner wird aufgrund der Export-Rate kalkuliert, und die Produktion von Bitcoins fällt im Iran mit dem Export von Elektrizität zusammen.“

Außerdem exportiert der Iran Strom in die Nachbarländer, während das Volk den Preis für die massiven Ausfälle entrichten muß.

Die staatliche Tageszeitung „Arman“ schreibt: „Ein weiterer Punkt, der das Volk in einer solchen Situation negativ reagieren ließ, besteht in dem Problem des vom Iran nach dem Irak und nach Afghanistan betriebenen Strom-Exports.“

„Es heißt, der Iran versorge den Irak mit 40% seines Stroms – und dies in einer Lage, in der die Bezahlung dieses Stroms mit ernsten Zweideutigkeiten zu tun hat.“

„Auf der anderen Seite“, so fuhr „Arman“ fort, „gab in der Mitte des Sommers 2020 der Energie-Minister Reza Ardakian bekannt, auch die Stromexporte vom Iran nach Afghanistan würden zunehmen.“

Der Stromausfall im Iran wirkt sich auf das Leben des Volkes verheerend aus. Doch dem Mullah-Regime geht es nur darum, das Vermögen des Iran auszuplündern, um seine illegalen Machenschaften zu finanzieren. Die vom Regime betriebene Korruption und seine illegalen Machenschaften haben die Gesellschaft zu einem Pulverfaß gemacht. Anhaltend ruft das iranische Volk zum Boycott der Farce der Präsidentenwahl auf; daran zeigt sich, daß es den Wandel des Regimes als einzige Lösung der Probleme des Iran betrachtet.