Thursday, August 6, 2020
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Wütende Proteste in St. Andrews bei der Ehrung des ehemaligen iranischen Führers

A protester wields posters complaining about human-rights abuses in Iran under Mohammad Khatami's presidency.Louis Graye (schottische Korrespondentin)
Die älteste schottische Universität hat gestern trotz der kontroversen Diskussionen den ehemaligen Präsidenten Irans unter wütenden Protesten geehrt, obwohl er zuließ, dass in seinem Heimatland Studenten verfolgt werden.
Bekleidet mit der herkömmlichen grauen Robe eines höheren muslimischen Klerikers, lief Mohammad Khatami an den Demonstranten vorbei, um sich in der Younger Hall der Universität mit einem Ehrentitel zu präsentieren. Exiliraner und protestierende Studenten brandmarkten diese Auszeichnung als „beschämend“ und prangerten an, dass Menschenrechtsverletzungen, wie die Steinigung von Frauen oder die Verfolgung von Studenten während der Präsidentschaftszeit von Khatami in der Zeit zwischen 1997 und 2005 zugenommen haben.

Ali Befrei, der 1988 aus dem Iran floh, nachdem seine Frau unter dem Regime gefoltert wurde, warf Khatami vor, ein „Terrorist“ zu sein.

Dr. Brian Lang, der Prinzipal der Universität, sagte jedoch, dass der Ehrendoktortitel für Recht für Khatamis Arbeit bei der Entwicklung eines interreligiösen Dialogs zu einer Zeit entwickelt wurde, als es Spannungen mit der muslimischen Welt gab.

Er zitierte die vom Vatikan versendete Botschaft: „Der interkulturelle Dialog und interreligiöse Dialoge sind die beiden Lebensnotwendigkeiten unserer Zeit. Wo ist ein besserer Platz als in einer Universität, um diese Diskussion voran zu bringen.“

Seit der islamischen Revolution 1972 ist Khatami der erste politische Vertreter des Irans, der Großbritannien besuchte.

In einem Interview mit Kanal 4 News sagte Khatami, dass sich die Vereinigten Staaten nun aus dem Irak zurückziehen sollten, damit sie durch regionale Kräfte, unter denen möglicherweise westliche Elemente wären, ersetzt werden könnten.

Jedenfalls ging er bei seinem Besuch in St. Andrews zu akademischen Inhalten über. Zunächst eröffnete er das zur Universität gehörende Institut für iranische Studien, dass nach einer Spende von 12.000 Büchern voraussichtlich das führende Zentrum dieser Art in Europa werden wird. Dann, in philosophischen Gesprächen mit etwa 200 Studenten, sprach er über die Natur des Dialogs zwischen der islamischen Welt und dem Westen und fragte, warum das dominante Konzept des Menschen nicht zu weniger Gewalt in der Welt geführt hat.

Er behauptete, dass es für einen Menschen wesentlich sei, hinter die eigene Kultur und die religiösen Grenzen zu schauen, um die anderen zu verstehen. „Man kann in den eigenen religiösen, geographischen und politischen Grenzen leben, aber Liebe erweitert. Grenzenlose Freundschaft wird die Welt retten“, sagte er.

Aber Leila Jazayeri von der Gesellschaft der Anglo-Iranischen Akademien, behauptete, dass er gegen den Dialog sei: „Khatami hatte nur ein Ziel und das ist, das iranische fundamentalistische Regime von den Greultaten reinzuwaschen.“

Als Khatami im Amt war, sind nach ihren Angaben 30.000 politische Gefangene ermordet, 27 Frauen zu Tode gesteinigt und ein 16jähriges Mädchen erhängt worden.

Sofie Buckland, Initiator der Studentengruppe Education Not for Sale (Erziehung nicht zu verkaufen) sagte: „Das ist ein entsetzlicher Verrat an den Freiheitskampf der iranischen Studenten.“

GETEILTE STUDENTENSCHAFT
In seiner altertümlichen Robe und dem weißen Schlips begrüßte Tom d’Ardenne (21), Präsident der Studentenvereinigung die Gelegenheit an dem Festakt zur Ehrung „eines großen Förderers des Verständnisses zwischen der islamischen Welt und dem Westen“ teilnehmen zu können.

Er sagte: „Seit Ende seiner Präsidentschaft hat Khatami unglaublich hart daran gearbeitet, Brücken zwischen dem Islam und anderen Kulturen zu bauen.

Der Grund, dass ihm diese Ehrung zuteil wird, ist dass er Menschen den Islam näher bringt und dem Islam den Rest der Welt verständlicher macht.“

Aber vor dem Glanz der Younger Hall, wo die Ehrentitel Doktor der Rechtswissenschaft übergeben wurde, unterstützte eine Hand voll Studenten den Protest der iranischen Flüchtlinge.

Nathan Sibley (20), Student für internationale Beziehungen sagte: Ich bin unglücklich darüber zu sehen, wie nah Khatami dem Regime immer noch ist. Ich bewunderte ihn, weil er versuchte, die Reform vorwärts zu bringen. Aber ich denke nicht, dass wir uns mit ihm so eng zusammentun sollten, nachdem er versagt hat.“
Shirin Kheder (29) eine Englischstudentin in London, die aus dem Iran kommt, sagte, dass Studenten in der Präsidentschaftszeit von Khatami ermordet wurden.

Sie fügte hinzu: „Khatami ist ein Mörder. Er belügt die Menschen und die Studenten und brachte Schande über den Iran. Jetzt gibt es im Iran keine Demokratie und keinen Frieden mehr.“