Thursday, January 27, 2022
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Das Massaker von 1988 im Iran: Hassan Ashrafian macht seine Zeugenaussage im Prozess gegen Noury

„Wir sprachen mit ihnen über die Probleme im Trakt wie den Mangel an warmem Wasser und Hygiene Angelegenheiten; Abbasi [Noury] erklärte: ‚Geht und dankt Gott, dass ihr lebt‘“, gab Hassan Ashrafian am Donnerstag im Verfahren gegen Hamid Noury als Zeugenaussage zu Protokoll.
Am Donnerstag war die einundvierzigste Sitzung vom Prozess Hamid Nourys, eines iranischen Gefängnisbeamten, der wegen der Teilnahme am Massaker von 1988 an politischen Gefangenen angeklagt ist. Zur Zeit des Massakers war Noury im Gohardasht Gefängnis tätig. 2019 wurde er in Schweden festgenommen.
Die letzten sieben Sitzungen von Nourys Prozess sind in Albanien abgehalten worden, Nach 34 Sitzungen war der Ort des Verfahrens von Schweden nach Albanien verlegt worden gemäß Anträgen der Staatsanwälte, da dort Tausende von Mitgliedern der  Mujahedin-e Khalq (MEK) wohnen. Die MEK Mitglieder waren die Hauptzielgruppe des Massakers von 1988 an über 30 000 politischen Gefangenen im ganzen Iran.
In der Sitzung am Donnerstag im Bezirksgericht in Durres  gab  Hassan Ashrafian, ein früherer politischer Gefangener, einen erschütternden Bericht über die Gräueltaten des Regimes in den Gefängnissen. Hassan Ashrafian wurde 1983 verhaftet für die Unterstützung der MEK. Er verbrachte drei Jahre in den Gefängnissen Evin und Gheszelhesar. 1986 wurde er ins Gohardasht gebracht. Während des Massakers von 1988 war Ashrafian in Trakt 3.
Das Massaker 1988 an politischen Gefangenen im Iran: Augenzeugenberichte, Hassan Ashrafian

Im Zuge seiner Zeugenaussage am Donnerstag beschrieb Ahrafian die Befehlskette im Gohardasht Gefängnis.
„Mohammad Mogheyseh, auch als ‚Nasserian‘ bekannt, hatte die Verantwortung für das Gefängnis. Soweit ich weiß, war Hamid Abbasi [Noury] sein [Nasserians] Stellvertreter. Und Davoud Lashgari war für die Gefängnissicherheit verantwortlich”, erzählte Ashrafian.
„Nasserian und Abbasi [Noury] hinderten uns an Sportübungen im Gefängnis. Im Juni 1987 waren wir noch beim Üben im Hof des Gefängnisses. Plötzlich kamen 20-30 Wärter in den Gefängnishof und hinderten uns an unserem Training. Sie schlugen mit Kabeln, Stöcken und Metallstäben auf uns ein. Sie verbanden uns die Augen und stießen uns ins Hauptgebäude“, so beschrieb Ashrafian seine erste Begegnung mit Noury.
„Sie brachten uns in eine kleine Halle im zweiten Stock, die die Gefangenen die ‚Gaskammer‘ nannten. Sie stießen uns in die Halle, wo wir noch vom Training schwitzten und sie verschlossen alle Luftzufuhr… nach ein paar Stunden waren wir alle nahe dem Ersticken“, ergänzte er.
„Einer der Insassen, Kambiz Ostovari, protestierte und klopfte an die Tür. Sie holten ihn heraus und schlugen ihn“, so Ashrafian.
„Danach holten sie uns andere heraus, Die Wärter standen in zwei Reihen und bildeten einen Tunnel. Sie stießen uns durch den Tunnel, während wir noch die Augen verbunden hatten und schlugen uns, während wir hindurch liefen. Ich konnte Hamid Abbasis [Nourys] Stimme hören, als er sagte: ‚Schlagt diese Monafeghs [der Ausdruck, den die Mullahs für MEK Mitglieder und Unterstützer verwenden], damit sie so etwas nicht wieder tun‘“, erzählte Ashrafian.


An einer anderen Stelle in seiner Zeugenaussage schilderte Ashrafian seine Begegnung mit Noury nach dem Massaker von 1988.
„Im September 1988 waren wir 53 Gefangene im Trakt 3. Vor dem Massaker gab es dort 200 Leute. Von diesen waren sechs oder sieben für andere Straftaten als die Unterstützung der MEK dort, während 190 davon MEK Unterstützer waren. Von all diesen 200 Menschen waren nur 53 übrig“, so Ashrafian. „Im September kamen die Wärter und verbanden uns die Augen und brachten uns in Trakt 13. Dorthin brachten sie alle Gefangenen, die das Massaker überlebt hatten. Einige wenige andere brachten sie in den unteren Trakt“.
„Anfang Oktober kamen Abbasi [Noury] und Nasserian mit einigen anderen Wärtern in unseren Trakt“, erinnert sich Ahrafian bei seiner Zeugenaussage.
„Wie gewohnt fing Nasserian [Mogiseh] damit an, uns zu bedrohen. Er sagte: „Wir haben sie alle getötet und später töten wir den Rest von euch. Die Ära, wo ihr protestieren und Streiks antreten konntet, ist vorbei. Glaubt nicht, dass uns die Hände gebunden sind. Wir können euch wie die übrigen hinrichten, wann immer wir das wollen““.
Ein letztes Mal begegnete Ashrafian Noury im November.
„Im November 1988 wurde ich in Einzelhaft verlegt… Dann brachten sie mich in den unteren Trakt 1, der Jahad Ward genannt wurde. Wir waren etwa 70 Gefangene, die nach dem Massaker von 1988 hierher gebracht worden sind“, so Ashrafian, „Dort gab es mehrere Zellen. Etwa Mitte November kamen Abbasi und einige andere Wärter in unseren Abschnitt“.
„Wir sprachen mit ihnen über die Probleme im Trakt wie den Mangel an warmem Wasser und Hygiene Angelegenheiten; Abbasi [Noury] erklärte: ‚Geht und dankt Gott, dass ihr lebt. Wenn wir die Fatwa des Imam – damit meinte er Khomeini – vollständig ausführen wollten, müssten wir die Hälfte der Menschen im Iran verhaften und hinrichten“.
Im Sommer 1988 verurteilten die „Todeskommissionen“ im ganzen Iran Tausende iranische Gefangene, meist MEK Mitglieder, zur Hinrichtung. Diese Kommissionen setzten eine Fatwa des damaligen Obersten Führers Ruhollah Khomeini um. In seiner Fatwa hatte Khomeini unterstrichen, dass alle Gefangenen, hauptsächlich die MEK Unterstützer, hingerichtet werden sollten, wenn sie sich weigerten, ihren Idealen abzuschwören.
Iran: Eine Fatwa , die 30 000 politischen Gefangenen beim Massaker 1988 das Leben kostete

Außerdem berichtete Ashrafian in seiner Zeugenaussage, was er während des Massakers sah. Am 30. Juli holten die Wärter den Fernseher raus. Ab 26. Juli hatten sie Besuche von Angehörigen abgesagt.
„In jenen Tagen gaben sie uns eine Liste und sagten uns, wir sollten unsere Namen, Anklagen und wie lange wir bis zum Ende unserer Strafzeit hätten darauf schreiben“ so Ashrafian; er fügte hinzu: „Das ging so alle zwei Tage“.
„Am 30. Juli war ich allein in einem Raum, wo sie unsere Taschen aufbewahrten. Ich sah Davoud Lashgari vom Fenster aus. Er war bewaffnet und bei ihm waren fünf oder sechs andere in Zivil. Ich sah auch zwei afghanische Gefangene bei ihnen. Sie schoben Schubkarren mit herunterhängenden Seilen. Sie gingen ins Warenlager“, erzählte Ashrafian. Er rief andere Gefangene herbei, darunter Mohammad Zand, um sich das anzusehen. Einer der Gefangenen meinte zu Ashrafian, dass diese Seile für die Hinrichtung seien.
Dieses Warenlager wurde später als die „Todeshalle” bekannt, wo Gefangene aufgehängt wurden.
Schließlich berichtete Ashrafian, was er während des Massakers von 1988 durchzustehen hatte.
„Am 1. August wurde ich mit verbundenen Augen in die dritte Etage gebracht. Ich saß in der Halle zwei oder drei Meter von der nächsten Person entfernt. Lashgari hatte in den Gang der Halle einen Tisch gestellt und sie würden die Gefangenen mit verbundenen Augen vor ihn bringen, wo er sie befragen konnte. Name, Nachname, Vaters Name, der erste aus der Verwandtschaft, der im Gefängnis ist. Dann eure Meinung über die Islamische Republik. Dann eure Meinung über die MEK? Wollt ihr ein Interview geben?“ Ashrafian: „Wir würden sagen, wir sind Unterstützer. Die, die antworteten, wir sind MEK Unterstützer, wurden von den anderen getrennt und in andere Trakte und Zellen gebracht. Ich war nicht tapfer genug dafür, wie die anderen zu sagen, dass ich ein MEK Unterstützer sei. Ich und ein paar andere wurden in den Trakt zurückgebracht“.
„Am 3. August ging ich im Hosseiniyeh Raum herum, als ich ein Fahrzeug hörte”, so Ashrafian, der hinzufügte, dass die Gefangenen „an die Fenster eilten. Wir waren dort fünf. Wir hörten das leise Geräusch von Fahrzeugen und wir sahen zwei Lastwagen auf der Straße, einer auf jeder Seite der Straße. Bei einem der Fahrzeuge lief der Motor“.

„Das Fahrzeug auf der Seite, die näher zu uns war, hatte einen laufenden Motor und wir konnten seine roten Rücklichter sehen. Innerhalb eines Lastwagens konnte ich Leichensäcke sehen. Das Licht im Lastwagen war an. Es waren dort ein paar Wärter, von denen einer auf der Ladefläche des Lastwagens stand und damit beschäftigt war, eine Plane anzubringen, so dass die Ladefläche des Lastwagens nicht mehr einzusehen war“.
Während die Gerichtsverhandlung weiterging, hielten die MEK Mitglieder in Ashraf 3 in Albanien eine Zeremonie ab. Sie gedachten des Massakers von 1988 an den Märtyrern und hielten die Ausdauer für ihre Ideale und ihre Identität als MEK Mitglieder hoch. Sie gelobten, den Weg dieser Märtyrer weiter zu gehen, bis sie einen freien Iran erreichen würde.